537 Schlüsselfunktionen beim Bundesheer unbesetzt

Riss: Während die Führungsebene im Zuge der Reorganisation bereits neu bewertet und aufgewertet wurde, hängen die Fachunteroffiziere an der Basis in der untersten Gehaltsklasse fest. Ein verbindlicher Zeitplan für die versprochene Attraktivierung der Truppe und die akademische Besoldung bleibt das Ministerium schuldig.

Go deeper: 6713/J | 6104/AB

Die Zahlen: Zum Stichtag 24. September 2026 klafft in den Schlüsselfunktionen des Bundesheeres eine massive Personallücke. Von insgesamt 1.897 vorgesehenen Stellen in den abgefragten Kategorien sind lediglich 1.360 besetzt, was einem Fehlstand von 537 Kräften entspricht.

  • Mechanikerunteroffizier (MechUO): 278 Stellen unbesetzt (bei 315 besetzten Stellen).
  • Wirtschaftsunteroffizier (WiUO): 86 Stellen unbesetzt.
  • Nachschubsunteroffizier (NUO): 49 Stellen unbesetzt.
  • Fernmeldeunteroffizier (FmUO): 46 Stellen unbesetzt.
  • Kraftfahrunteroffizier (KUO): 37 Stellen unbesetzt.
  • Waffenmeisterunteroffizier (WaMstUO): 30 Stellen unbesetzt.
  • Mobilmachungsunteroffizier (MobUO): 11 Stellen unbesetzt.

Fragesteller und Fragen: Volker Reifenberger (FFPÖ) stellte die Anfrage zu 6713/J an das Verteidigungsministerium, die von Verteidigungsminsiterin Klaudia Tanner (ÖVP) in 6104/AB beantwortet wurde. Im Fokus standen die Arbeitsplatzbewertungen und die schleppende Umsetzung des Regierungsprogramms:

  • Ist eine Aufwertung der Funktionsgruppen bei Fachunteroffizieren und MobUO geplant?
  • Ab wann und in welcher Form ist diese Aufwertung geplant?
  • Warum wurden Wertigkeiten ab Direktionsebene aufwärts angehoben, während die Truppe leer ausging?
  • Wie viele Schlüsselfunktionen sind aktuell im Bundesheer nicht besetzt?
  • Warum werden Offiziere mit Bachelorabschluss weiterhin nach dem Maturanten-Schema besoldet?

Widerspruch: Während das Ministerium die Aufwertung der Direktionsebene mit der „direkten Betroffenheit“ durch die Reorganisation begründet, verharren die für den Einsatzbetrieb kritischen Fachunteroffiziere in der Funktionsgruppe MBUO 1. Laut Anfrage würde eine Aufwertung auf MBUO 3 eine monatliche Zulage zwischen 63,40 und 406,00 Euro bedeuten. Ein gesetzlicher Rahmen, der zwar diskutiert, aber dessen Umsetzung auf unbestimmte Zeit verschoben wird.

Was fehlt: Das Ressort bleibt einen konkreten Zeitplan für die tatsächliche Umsetzung der Gehaltsaufwertungen schuldig. Auch für die akademische Besoldungsanpassung der Offiziere gibt es keinen Termin, lediglich den Hinweis auf laufende Abstimmungen mit dem Bundeskanzleramt (BKA).

Zwischen den Zeilen: Die Beantwortung offenbart eine klassische Verzögerungstaktik: Man verweist auf die Zuständigkeit des Bundeskanzleramts und „Vorbereitungen für künftige Entscheidungsgrundlagen“. Währenddessen bleibt fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Instandhaltung (Mechaniker) unbesetzt, was die Einsatzbereitschaft des Geräts langfristig gefährdet.

Während die Führung ihre Aufwertung im Zuge der Reorganisation schon in der Tasche hat, darf die Truppe weiter auf das Wohlwollen der Bundesregierung warten.

Frank sagt: