In drei Sätzen: Der US-Broker Charles Schwab transferierte im Sommer 2019 rund 27,7 Millionen Dollar für Jeffrey Epstein, um den Kauf eines luxuriösen Palastes in Marrakesch zu ermöglichen. Die Transaktionen fanden unmittelbar vor Epsteins Verhaftung statt, wobei eine Überweisung trotz unzureichender Kontodeckung ausgeführt wurde. Erst nach dem Zugriff der Behörden meldete das Finanzunternehmen die verdächtigen Vorgänge an das US-Finanzministerium.
Der Auslöser: Neu veröffentlichte Dokumente des US-Justizministeriums belegen erstmals die Details der Zahlungsströme zwischen Schwab und dem Immobilienmakler Marc Leon in Marokko. Diese Unterlagen gewähren einen tiefen Einblick, wie der verurteilte Sexualstraftäter versuchte, kurz vor seinem Ende massives Kapital ins Ausland zu bewegen.
Wer sagt was:
- Charles Schwab (US-Broker): „Ein Mitarbeiter von Epstein eröffnete im April 2019 Konten. Kurz darauf begann unser Risikoteam mit der Untersuchung und wir beschlossen, die Beziehung zu beenden.“
- Marc Leon (Immobilienmakler): „Epstein hatte seine Strafe verbüßt. Es gab daher nichts, was ihn daran hinderte, in Marokko Immobilien zu erwerben.“
Das Sittenbild: Der versuchte Kauf des „Bin Ennakhil“-Palastes mit seinen 60 Marmorbrunnen und 2.000 Palmen verdeutlicht Epsteins Strategie, sich in internationale Refugien einzukaufen. Während Banken wie die Deutsche Bank seine Konten bereits kündigten, fand er bei Schwab zunächst neue Wege für seine Millionen.
Zwischen den Zeilen:
- Schwab eröffnete im April 2019 drei Konten für Epsteins Firmen, obwohl die Medienberichte über seine Verbrechen bereits zunahmen.
- Eine Überweisung von 14,95 Millionen Dollar wurde getätigt, obwohl das Konto durch eine vorherige, stornierte Transaktion noch nicht ausreichend gedeckt war.
- Erst sieben Tage nach der Verhaftung reichte Schwab einen Verdachtsmomentbericht (SAR) bei der FinCEN ein.
- Die Bank äußerte in dem Bericht die Sorge, Epstein könnte die Immobilie als Rückzugsort zur Flucht vor der Justiz geplant haben.
Follow the money: Insgesamt flossen zwei Tranchen: Zuerst wurden 11,15 Millionen Euro angewiesen und storniert, gefolgt von einer weiteren Anweisung über 14,95 Millionen Dollar. Das Zielobjekt, der Palast Bin Ennakhil, umfasst eine Fläche von 4,6 Hektar, was etwa sechs Fußballfeldern entspricht.
Die andere Sicht: Der Immobilienmakler Marc Leon betont, dass alle damals geltenden Prüfungen zur Geldwäscheprävention von den beteiligten Banken durchgeführt wurden. Er argumentiert, dass er keine Möglichkeit hatte zu wissen, dass Epstein seine Verbrechen fortsetzte, da dieser seine frühere Haftstrafe offiziell verbüßt hatte.
Warum das wichtig ist: Der Fall zeigt eklatante Lücken im Risikomanagement großer Finanzinstitute auf, die trotz öffentlicher Warnsignale weiterhin Geschäfte mit hochriskanten Kunden führten. Die Tatsache, dass Millionen ohne Deckung bewegt wurden, wirft Fragen zur internen Compliance und der Wirksamkeit der US-Finanzaufsicht auf.
Quelle: Reuters
