Chefredakteur | Chaos is Order. Do not fear the darkness.
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Kinderbetreuung keine Arbeit? Mit diesem absurden Sager bei seiner Sommertour „Österreich im Gespräch“ hat ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker einen politischen Flächenbrand ausgelöst, der die gesamte österreichische Innenpolitik erschüttert. 39,4 Prozent weniger Pension erhalten Frauen im Durchschnitt im Vergleich zu Männern. Während das Establishment versucht, den Ausrutscher wegzulächeln, zeigt sich die harte Realität von Familien in Zahlen und unbezahlter Last.
Bundeskanzler Christian Stocker: Wörtlich sagte Stocker: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“
Die Reaktionen aus dem ÖVP-Apparat offenbaren die abgehobene Blase der politischen Klasse. Sabine Keri, Obfrau der ÖVP Frauen, verteidigt den Kanzler und spricht von einer „Scheindebatte“ der Grünen, während sie gleichzeitig zugibt, dass Eltern Enormes leisten.
„Der Bundeskanzler hat seine Aussage von gestern klargestellt und seinen Respekt für die Leistungen von Frauen betont. Kinder großzuziehen ist eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Gerade Frauen leisten hier Tag für Tag Enormes mit viel Liebe, Verantwortung, Fürsorge und Einsatz“, so die Bundesleiterin der ÖVP Frauen, Juliane Bogner-Strauß.
Kanzler rudert zurück: „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.“
Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.
Kinderbetreuung ist Arbeit. Millionen Eltern – vor allem Frauen – leisten diese Arbeit jeden Tag. Das dürfen wir weder kleinreden noch unsichtbar machen. Im Gegenteil: Care-Arbeit verdient Sichtbarkeit, Unterstützung und vor allem eine gerechte Verteilung der Verantwortung.
Die andere Seite: Der politische Druck entlud sich sofort über Lagergrenzen hinweg. Vizekanzler Andreas Babler von der SPÖ ritt scharfe Attacken auf X und betonte, dass diese Arbeit weder kleingeredet noch unsichtbar gemacht werden darf. Auch SPÖ-Frauensprecherin Sabine Schatz schlug in dieselbe Kerbe und erinnerte an die drastischen Konsequenzen für Einkommen und Karriere.
FPÖ-Familiensprecherin Edith Mühlberghuber ging noch einen Schritt weiter und warf der ÖVP-Spitze vor, mit solchen Aussagen alle Mütter und Väter herunterzuputzen und eiskalt ins Geldbörsel zu greifen. Von Seiten der FPÖ wird unmissverständlich klargestellt, dass nur die Freiheitlichen konsequent an der Seite der rot-weiß-roten Familien stehen und echte Wahlfreiheit fordern.
Die ideologischen Scheinkämpfe
Zwischen den Zeilen: Die Debatte entlarvt das finanzielle und gesellschaftliche Fundament des österreichischen Wohlfahrtsstaates als dysfunktional. Mütter tragen den weit überwiegenden Teil der Betreuungslast, während Politiker in ihren Elfenbeintürmen von Vertrauen und Zusammenhalt faseln. ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Christa Hörmann brandmarkte Stockers Äußerungen als Realitätsverweigerung, die ein seit Jahrzehnten frauenbenachteiligendes Familienbild zementiert.
Der politische Einschlag
Die Entschuldigung des Kanzlers kam spät und wirft tiefe Schatten auf die Krisenfestigkeit der Regierungsspitze. Wenn selbst der Koalitionspartner offene Kritik übt und die Opposition den moralischen Verfall der Volkspartei anprangert, steht die Stabilität der Führungsriege auf dem Spiel.
Warum das wichtig ist: Wer Millionen Müttern und Vätern die harte wirtschaftliche und körperliche Realität ihrer Fürsorgearbeit abspricht, zerstört das Vertrauen in die Bundesregierung.
Ach wie großzügig von unserem Kanzler, nach dem Aufschrei plötzlich zu entdecken, dass Kinderbetreuung doch Arbeit ist. Wer hätte bei so viel politischer Brillanz damit gerechnet?