Auf einen Blick: Fast eine Milliarde Euro Verlust und leere Kassen hinter der Tilgungs-PR. Der Burgenländische Landesrechnungshof (BLRH) hat die finanzielle Lage des Landes im Juli 2026 unmissverständlich als „besorgniserregend“ eingestuft. Direktor René Wenk und seine Prüfer legten den Rechnungsabschluss 2023 unter die Lupe und zogen den Rechnungsabschluss 2024 sowie die Voranschläge 2025 und 2026 hinzu. Das Ergebnis ist vernichtend für das System Doskozil: Seit 2020 lagen die Aufwendungen jedes einzelne Jahr über den Erträgen. Kumuliert ergibt das bis 2026 einen Verlust von nahezu einer Milliarde Euro – in einem Bundesland mit rund 300.000 Einwohnern.
Worum es geht: Die Prüfer halten fest, dass das Land seine Reserven aufgebraucht hat.
- Die liquiden Mittel sanken von über 300 Millionen Euro im Jahr 2021 auf nur mehr 17,7 Millionen Euro Ende 2024.
- Das Kapital der Landesholding-Vermögensverwaltung (BVOG) von ursprünglich 225 Millionen Euro wurde schrittweise aufgelöst, die vollständige Auflösung war für 2025 geplant.
- 2025 musste das Land sogar eine Barvorlage von 50 Millionen Euro bei einer Bank aufnehmen, um die Liquidität zu sichern und Rechnungen bezahlen zu können.
- Wenk formulierte es klar: „Zusammengefasst hat das Land die Reserven aufgebraucht. Das bedeutet, dass der Handlungsspielraum für die Zukunft sehr, sehr eingeschränkt ist. Das bedeutet, dass in Zukunft das Handeln wahrscheinlich nur mehr über Schulden, über die Aufnahme von Fremdmitteln, zu finanzieren ist.“
Das Tafelsilber ist weg
- Fast eine Milliarde Verlust: Vom Rechnungsabschluss 2020 bis 2026 summiert sich das Minus auf rund 940 Millionen Euro, mit IPSAS-Korrekturen in der Größenordnung einer vollen Milliarde. Allein 2024 stand ein Nettoergebnis von minus 227,5 Millionen Euro.
- Wohnbaudarlehen als letzte Notreserve: Der BLRH-Direktor sprach offen vom „letzten Tafelsilber“. Die Wohnbauförderungsdarlehen im Nennwert von rund einer Milliarde Euro werden mit Abschlägen (25 Prozent bei Privaten) verwertet. Das Land rechnet mit Erlösen von etwa 650 bis 700 Millionen Euro. Ein Teil fließt in die Schuldentilgung, der größere Teil soll in Spitäler und andere Bereiche gehen. Die Prüfer orten, dass der entstehende Verlust im Landeshaushalt „vergessen“ wurde.
- Konzernschulden explodiert: Die Finanzschulden des „Konzerns Burgenland“ (Land plus Landesunternehmen) stiegen bis Ende 2024 auf 2,18 Milliarden Euro – ein Plus von 21 Prozent bzw. 383 Millionen Euro gegenüber 2021. Nur 627 Millionen Euro davon lagen direkt im Landeshaushalt, 1,56 Milliarden Euro steckten in ausgelagerten Gesellschaften. Die Haftungen des Landes kletterten auf 1,56 Milliarden Euro und erreichten 98 Prozent der Erträge – negativer Spitzenwert unter den Bundesländern.
Die andere Sichte: Die aktuellen Tilgungsaussendungen von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (50 Millionen Euro im Juni, jetzt weitere 57,2 Millionen Euro) wirken vor diesem Hintergrund wie eine gezielte Ablenkung. Das Geld stammt aus dem Verkauf der Wohnbaudarlehen, also aus dem Abbau von Vermögen. Der BLRH sieht keine offensiven Konsolidierungsmaßnahmen. Stattdessen wächst die Abhängigkeit von neuen Fremdmitteln und Einmalerlösen.
Rote Propaganda: Doskozil weist die Darstellung zurück und spricht von stabilen Finanzen sowie dem geringsten Schuldenzuwachs in bestimmten Perioden. Der Rechnungshof bleibt bei seiner Diagnose: akuter und erheblicher Handlungsbedarf, eingeschränkter Handlungsspielraum, drohende weitere Verschuldung. Die Schönfärberei mit Tilgungszahlen ändert nichts am Kernbefund.
Warum das wichtig ist: Das System Doskozil hat die Reserven verbrannt und das Tafelsilber abgestoßen, um Zahlen zu schönen – die Milliarde Verlust und die leeren Kassen bleiben.
Die nächste Generation zahlt die Zinsen.

