Karner & „Tangles“: 1,85 Mio. für Überwachung ohne Richter

Auf einen Blick: Das Innenministerium unter Gerhard Karner setzt die Software „Tangles“ ein – samt den Erweiterungen Webloc und WebEye, mit denen sich Daten von rund 500 Millionen Smartphones weltweit auswerten lassen. Grünen-Abgeordneter Süleyman Zorba kritisiert, dass das BMI dabei ohne richterliche Kontrolle kommerzielle Werbeprofile anzapft: Standorte, Apps, politische Neigungen und sogar der Beziehungsstatus. Eine News-Recherche zeigt, dass sich so auch Handys von Polizei, Heer und DSN bis vor die Haustür verfolgen lassen.

Tangles ist eine umstrittene OSINT-/Überwachungssoftware (Open Source Intelligence) des US-Unternehmens PenLink. Entwickelt wurde sie ursprünglich von der israelischen Firma Cobwebs Technologies (gegründet von Ex-Angehörigen israelischer Spezialeinheiten), die 2023 von PenLink übernommen wurde.

Die Fakten: Die Recherchen des Magazins „News“ bestätigen laut Zorba den Einsatz von Erweiterungen wie Webloc und WebEye seit Mai 2026. In der EU war bisher nur der ungarische Inlandsgeheimdienst als Nutzer dieser Technologie bekannt, die Daten direkt aus der Werbeindustrie bezieht.

  • Auswertung von Daten von über 562.000 Smartphones allein in Österreich.
  • Ortung von 37 Geräten innerhalb der DSN-Zentrale in der Rennwegkaserne.
  • Verfolgbarkeit von Bediensteten des Heeres-Nachrichtenamts und der Polizei bis vor die Haustür.

„Innenminister Karner kauft sich in einen Markt ein, der Menschen auf Schritt und Tritt verfolgbar macht. Mit dieser Praxis muss sofort Schluss sein.“

Süleyman Zorba

Zwischen den Zeilen: Das Innenministerium finanziert laut den Grünen mit Steuergeld einen Markt, der die eigenen Sicherheitskräfte angreifbar macht. Da diese Daten auch für ausländische Geheimdienste käuflich sind, sieht Zorba in der Praxis des Ministers ein massives Sicherheitsrisiko für die gesamte Republik.

Was fehlt: Eine parlamentarische Anfrage mit 34 Fragen zur Rechtsgrundlage blieb laut Zorba Ende 2025 inhaltlich unbeantwortet. Karner verwies demnach auf den geheimen Unterausschuss, während selbst die Datenschutzbehörde keine näheren Kenntnisse über den Einsatz der Software habe.

Wer die Handys der DSN über App-Tracker kauft, schützt nicht den Staat. Er stellt ihn ins Schaufenster.

Frank sagt: