Führen durch Meinungsumfrage

Verantwortung abwälzen, Koalition retten und Zeit schinden.

Klaudia Tanner - Sepa Media - Martin Juen
Redaktion

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) wirft das Thema Wehrpflicht-Reform demontierend in die Arena der Volksbefragung, während seine Koalitionspartner von SPÖ und NEOS sichtlich überrumpelt am Spielfeldrand stehen. Es ist der klassische Fluchtreflex einer Regierung, die vor der eigenen Courage und der notwendigen Reformkraft zurückweicht. Man delegiert die Verantwortung an den Bürger, nur um Zeit zu gewinnen und den internen Koalitionskrach zu übertünchen.

Der Auslöser:

  • Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) forderte am 30.01.2026 überraschend eine Volksbefragung zur Zukunft des Wehrdienstes.
  • Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sprang sofort zur Seite und nannte den Vorstoß ihres Parteikollegen „gut und richtig“.

Wer sagt was:

  • „Die Menschen direkt […] entscheiden zu lassen, ein sehr guter Weg“, lässt Klaudia Tanner (ÖVP, Verteidigungsministerin) ausrichten.
  • Klaus Seltenheim (SPÖ, Bundesgeschäftsführer) bremst hingegen: „Ob eine Volksbefragung notwendig oder sinnvoll ist, muss gemeinsam […] besprochen werden“.
  • Sigi Maurer (Grüne, Stv. Klubobfrau) mahnt: „Wir sollten dabei nicht vergessen, gerade die jungen Stimmen zu hören“.
  • Herbert Kickl (FPÖ, Parteiobmann) kritisiert: „Ankündigungsweltmeister ohne Ergebnisse“.
  • Anna Schwabegger (BJV, Vorsitzende) kritisiert, dies sei eine Entscheidung „über die Köpfe jener jungen Menschen hinweg“.

Das Sittenbild: Es ist die Wiederkehr des Unvermögens. Schon 2013 wurde das Volk zur Wehrpflicht befragt, nur damit die Politik danach wieder jahrelang im Dornröschenschlaf versank. Dass eine Koalition aus SPÖ, ÖVP und NEOS bei einer Kernfrage der staatlichen Souveränität nicht einmal eine gemeinsame Linie findet, offenbart die tiefe Lähmung der aktuellen Regierung.

Zwischen den Zeilen:

  • Die Koalitionspartner SPÖ und NEOS erfuhren offenbar erst aus den Medien vom Kanzlerplan.
  • Hinter der angeblichen Bürgernähe versteckt sich das Fehlen eines klaren Konzepts zur Umsetzung des Berichts der Wehrdienstkommission.
  • Fakt: Eine Volksbefragung ist für die Regierung rechtlich nicht bindend. Sie dient oft nur als politisches Schutzschild gegen unpopuläre Entscheidungen.

Follow the money: Eine bundesweite Volksbefragung ist kein Schnäppchen. Allein der Bund erstattet den Gemeinden pauschal 0,62 Euro pro Wahlberechtigten für den Aufwand. Dass dieses Geld nun erneut investiert werden soll (Steuergeld? Klar, wenn’s um das Verschieben von Problemen geht!), ohne dass eine echte Reformgarantie besteht, ist ein Hohn für jeden Steuerzahler.

Was bleibt über: Die ÖVP flüchtet sich in den Populismus, um die eigene Planlosigkeit bei der Heeresreform als gelebte Demokratie zu verkaufen.

Warum das wichtig ist: Wenn die Bundesregierung nicht einmal mehr in der Lage ist, eine Reform des Wehrdienstes parlamentarisch abzuarbeiten, ist das System am Ende. Die Wehrfähigkeit des Landes wird zum Spielball taktischer Manöver degradiert. Österreich gönnt sich eine teure Umfrage-Show, die jene am meisten belastet, die gar keine Stimme haben: die betroffenen jungen Männer.

Quelle:

vienna.at

Share This Article
Keine Kommentare