In drei Sätzen: Parteichef Andreas Babler (SPÖ) klammert sich nach der faktischen Entmachtung durch die Landesfürsten an den verbliebenen Wahlvorschlag, während die Partei unter dem Deckmantel der Geschlossenheit ihre innere Zerrissenheit kaschiert. Die SPÖ fungiert hierbei als brüchiges Vehikel einer Regierungskoalition. Eines ist klar ersichtlich: die Partei stellt ihren Machterhalt über ihre inhaltliche Integrität.
Der Auslöser: Nach wochenlangen internen Querschüssen und der geplatzten Schatten-Kandidatur von Christian Kern (Altkanzler, SPÖ) versucht die Parteispitze am 47. Parteitag, das Bild einer geordneten Einheit zu simulieren.
Wer sagt was: Sven Hergovich (Landeschef NÖ, SPÖ) beteuerte: „Ich war noch nie ein Freund von Personaldebatten und werde es auch nie sein“. Die Realität straft ihn Lügen: Hergovich galt im Hintergrund als einer der zentralen Türöffner für die versuchte Kern-Revolte.
Das Sittenbild: Die SPÖ präsentiert sich als Sanierungsfall, in dem erfahrene Akteure wie Hans Peter Doskozil (Landeschef SPÖ Burgenland) oder Michael Ludwig (Bürgermeister, SPÖ Wien) den Rückzug aus den Spitzengremien antreten.
Zwischen den Zeilen:
- Auffällige Abwesenheit: Hochrangige Landeschefs verweigern die Kandidatur für Bundesgremien, was einer schleichenden Entkoppelung der Landesorganisationen vom Parteichef gleichkommt.
- Das Phantom Kern: Die tagelange Bedenkzeit des Altkanzlers diente primär der Destabilisierung Bablers, bevor die Absage als strategischer Rückzug inszeniert wurde.
Follow the money: Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) beschwört eine wirtschaftliche Trendwende, während die Regierung massiv in die Preise für Energie und Lebensmittel eingreift.
Die andere Sicht: Die Parteiführung betrachtet die Personaldebatte als abgeschlossen und sieht sich durch die nominelle Unterstützung der Landeschefs legitimiert. Man verweist auf die Regierungsarbeit als Priorität. Diese Sichtweise ignoriert jedoch die Chronologie der Demontageversuche, die Babler als „Lame Duck“ am Verhandlungstisch zurücklassen.
Warum das wichtig ist: Die SPÖ-Personaldebatte ist kein nerviger Infekt, sondern das Symptom eines tiefgreifenden Identitätsverlustes. Wenn der „Motor“ nur noch im Leerlauf dreht, bleibt die politische Innovation auf der Strecke.
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