Moskaus digitaler Käfig

Russland drosselt Telegram wegen fehlender Zensur und Nutzerdaten.

Wladimir Putin - Sepa Media - Martin Juen - Runway FoB AI
Redaktion

In drei Sätzen: Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor zwingt den Messenger Telegram durch drakonische Bußgelder und technische Drosselungen in die Knie. Während der Staat den Schutz von Personendaten als Vorwand nutzt, geht es in Wahrheit um die totale Kontrolle extremistischer Inhalte im Schatten des Ukraine-Kriegs. Das System Putin zeigt einmal mehr, dass digitale Souveränität nur ein Synonym für staatlich verordnete Zensur ist.

Der Auslöser: In acht bevorstehenden Verfahren wird gegen die App ermittelt, da sie der Aufforderung zur Löschung unliebsamer Inhalte nicht nachgekommen sein soll. Seit Jahresbeginn häufen sich administrative Verfahren, während Nutzer bereits über massive Ladeprobleme klagen.

Wer sagt was:

  • Roskomnadsor (Telekom-Aufsichtsbehörde) teilt mit: „Die Anbieter verstoßen gegen russische Gesetze und unternehmen nichts gegen kriminelle Ziele“.
  • Pawel Durow (Gründer, Telegram) weigerte sich bereits in der Vergangenheit, persönliche Daten von Demonstranten an den Geheimdienst weiterzugeben.
  • Wladimir Putin (Kremlchef, Russland) lässt Kritik am Krieg mittlerweile als Extremismus einstufen und verschärft die Gangart gegen jede Form der digitalen Freiheit.

Zwischen den Zeilen:

  • Die Drosselung der Geschwindigkeit ist ein bewährtes Mittel, um Plattformen ohne offizielles Totalverbot wirtschaftlich und technisch auszuhungern.
  • Seit Kriegsbeginn ist die Nutzung von Telegram-Anrufen in Russland oft nur noch über VPN-Dienste möglich, was die Hürden für einfache Bürger massiv erhöht.
  • Der Konflikt ist ein Dauerbrenner, da Durow seit seiner Ausreise 2014 als Symbol für den Widerstand gegen den russischen Überwachungsstaat gilt.

Follow the money: Sieben administrative Verfahren seit Jahresbeginn zielen darauf ab, Telegram durch Strafzahlungen in Millionenhöhe finanziell zu bluten. Die Entwicklung des staatstreuen Messengers Max verschlingt Unsummen an Steuergeld, während die App durch Sicherheitslücken glänzt.

Warum das wichtig ist: Russlands Vorgehen ist das globale Labor für die Zerstörung der Anonymität im Internet. Wer glaubt, dass solche Methoden an den Grenzen der EU haltmachen, verkennt die Begehrlichkeiten hiesiger Behörden nach dem Generalschlüssel für unsere privaten Chats.

Quellen:

Kurier

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