PR-Show auf Staatskosten

Wann kassiert er endlich den Oskar für Polit-Theater?

Christian Stocker - Sepa Media - Michael Indra - FoB Style
Redaktion

Bundeskanzler Christian Stocker inszeniert beim Neujahrsauftakt eine große Show zur Mitbestimmung. Mit der Ankündigung einer bindenden Volksbefragung zur Wehrdienstreform schiebt die Regierungsspitze die Verantwortung elegant an den Bürger ab. Das Kalkül dahinter ist so durchsichtig wie die leeren Versprechen zur Budgetkonsolidierung. Man gibt sich entschlossen, doch am Ende entscheidet das Stimmvolk über die Scherbenhaufen einer jahrelang verschleppten Bundesheerreform.

Der Auslöser: Am 30. Januar 2026 nutzte Bundeskanzler Christian Stocker den feierlichen Rahmen des Neujahrsauftakts in Wien für eine politische Breitseite. Er versprach, das Volk über die Zukunft des Bundesheeres entscheiden zu lassen, und deklarierte das Ergebnis vorab als bindend.

Wer sagt was:

  • Christian Stocker, Bundeskanzler (ÖVP): „Ein Milizsystem ohne verpflichtende Übungen kann den Anforderungen an das Bundesheer nicht gerecht werden.“
  • Andreas Babler, Vizekanzler (SPÖ): „Ob eine Volksbefragung notwendig oder sinnvoll ist, wird auf Regierungsebene besprochen werden […]“

Das Sittenbild: Die Regierung spielt auf Zeit und nutzt das Instrument der direkten Demokratie als taktisches Manöver. Während Stocker den starken Mann markiert, zeigt die zögerliche Reaktion des Koalitionspartners SPÖ das gewohnte Bild der Uneinigkeit. Systemversagen wird hier als Bürgerbeteiligung verkauft, um schmerzhafte politische Entscheidungen zu umgehen.

Zwischen den Zeilen:

  • Fakt: Die ÖVP fordert Pflichtübungen, während die Wehrdienstkommission noch über Berichten brütet.
  • Widerspruch: Stocker predigt Sparsamkeit, lehnt aber gleichzeitig die Abschaffung der kalten Progression als Verhandlungsmasse strikt ab.
  • Peinlichkeit: Selbst die eigene Inszenierung scheitert an der Technik, als das Einspielvideo mangels Ton wiederholt werden musste.
  • Realität: Trotz schwerer Vorwürfe wegen Postenschachers wird die Parteiprominenz ungebrochen gefeiert.

Follow the money: In der Sozialpolitik plant die Regierung massive Kürzungen, um Leistungen für kinderreiche Familien, die laut Stocker bis zu 9.000 Euro beziehen, der Vergangenheit angehören zu lassen. Gleichzeitig wird die volle medizinische Versorgung für Asylwerber gestrichen, während man bei der Bankenabgabe und Übergewinnen stolz von „sozialem Ausgleich“ spricht.

Was bleibt über: Ein Kanzler, der die Verantwortung für die Landesverteidigung delegiert. Demokratie dient hier nur noch als Feigenblatt für politische Entscheidungsschwäche.

Warum das wichtig ist: Wenn eine Regierung fundamentale Sicherheitsfragen per Volksentscheid entsorgt, ist das kein Mut, sondern Arbeitsverweigerung. Der Wähler soll legitimieren, was die Politik seit Jahrzehnten versäumt hat: eine klare Linie in der Verteidigungs- und Migrationspolitik. Der finanzielle Schaden durch verschleppte Reformen wird durch solche PR-Gags nicht geringer, während die soziale Spaltung durch die Rhetorik gegen „finstere Gestalten“ bewusst vertieft wird.

Quellen:

Vienna.at

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