Schellhorns Ghana-Trip

Sparstaatssekretär flog trotz Budgetkrise für zwei Tage nach Afrika.

Sepp Schellhorn SEPA Media - Michael Indra - Runway FoB AI
Redaktion
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In drei Sätzen: Die Teuerung belastet weiter extrem die österreichischen Familien, die Energiepreise explodieren durch den Krieg in Nahost und die Bundesregierung hat eine gewaltige Budget-Krise. Dennoch jettete Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn 4991 Kilometer nach Ghana: Zur Eröffnung eines Kulturforums im Rahmen der „Afrika-Strategie“ der Bundesregierung.

Sepp Schellhorn in Ghana Foto: MFA
Sepp Schellhorn in Ghana – MFA Rakil – BMEIA
Sepp Schellhorn in Ghana – MFA Rakil – BMEIA

Der Auslöser: Sepp Schellhorn reiste vor wenigen Tagen nach Accra. 4991 Kilometer hin, 4991 Kilometer zurück. Der NEOS-Politiker eröffnet vor Ort ein Kulturforum und traf laut Außenamt Wirtschaftsvertreter und Vertreter der ghanaischen Regierung, aber nur der ghanaische Vizeminister für Tourismus, Kultur und kreative Kunst hatte für Staatssekretär Schellhorn Zeit.

Wer sagt was:

  • Sepp Schellhorn (Staatssekretär, NEOS) betonte: „Wo politische Debatten verhärten, bleibt Kultur oft der letzte Raum, in dem Dialog möglich ist. Kunst kann Brücken bauen, lange bevor Verträge unterschrieben werden. Diese Partnerschaft ist kein kurzfristiges Signal, sondern eine strukturelle Entscheidung. Österreich und Ghana begegnen einander als selbstbewusste Kulturnationen – auf Augenhöhe.“
  • Und Yussif Issaka Jajah (Deputy Minister, Ghana) sagte: „Wir wollen die Zusammenarbeit im Kulturbereich stärken.“

Das Sittenbild: Wie Umfragen zeigen, fordern 68 Prozent der Österreicher ein Sparen bei Auslandsreisen. Schellhorn, der Unternehmer und Wirt, lobbyiert für die Deregulierung und Sparmaßnahmen, jettet aber für nur zwei Tage nach Afrika.

Zwischen den Zeilen: Die erneut irritierende Dienstreise des Staatssekretärs zeigt eine sehr flache Lernkurve des NEOS-Politikers: Schellhorn wurde bereits für die (wohl entbehrlichen) Dienstreisen nach Avaza (Turkmenistan) im August des Vorjahres und nach Nizza im Juni 2025 massiv kritisiert (an der Côte d’Azur Österreich hat Schellhorn Österreich bei der UNO-Konferenz zur Rettung der Ozeane vertreten).

Follow the money: Der Flug Wien-Accra hin und zurück: Für 4991 Kilometer kosten die Flüge etwas mehr als 1000 Euro (Economy), mit Begleitdelegation erhöhen sich die Kosten für Flüge, Hotel, Verpflegung wohl auf mehr als 10.000 Euro, für die der österreichische Steuerzahler aufkommen muss. Eine parlamentarische Anfrage wird sicher bald darüber aufklären, was der Ghana-Ausflug tatsächlich gekostet hat.

Die andere Sicht: Sepp Schellhorn sieht im Ghana-Trip ein „starkes Signal für Partnerschaft“. Ghanas Vize-Minister nennt den Besuch aus Wien „strategisch wichtig“.

Warum das wichtig ist: Andauernd kommen Sparbefehle für die Bevölkerung, aber die zweite Reihe der Bundesregierung gönnt sich selbst in den härtesten Krisenzeiten ein Jet-Set-Feeling. Und ausgerechnet jener Staatssekretär, der für Einsparungen zuständig sein soll, fliegt in nur zehn Monaten zu drei nicht wirklich bedeutenden Terminen in Südfrankreich, Turkmenistan und Ghana. Und was nicht vergessen wird: Gleich nach Amtsantritt bestellte Schellhorn einen größeren Dienstwagen. Schellhorn ist seit damals auf Social-Media-Plattformen der „Achter“ oder „A8-Staatssekretär“.

Link: Außenministerium

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