In drei Sätzen: Die Konsumgewohnheiten in Österreich haben sich laut der aktuellen Statistik Austria Erhebung in den vergangenen fünf Jahren zulasten der Gastronomie verschoben. Während der Anteil der Bewirtungsausgaben im Warenkorb von 10,8 auf 9,5 Prozent sank, explodierten die Preise für Restaurantbesuche im selben Zeitraum um 45,6 Prozent. Diese Entwicklung zwingt viele Haushalte dazu, ihre Ausgaben drastisch zu reduzieren.
Der Auslöser: Die aktuelle Umstellung des Warenkorbs zur Inflationsberechnung offenbart, dass die Gastronomiepreise deutlich stärker gestiegen sind als die allgemeine Teuerung und die Einkommen der meisten Bürger.
Wer sagt was: Thomas Peschta, Gastro-Obmann der Wirtschaftskammer Wien, betont, dass die Lage abseits der Hotspots „sehr angespannt“ sei. Laut Peschta sind Preissteigerungen „notwendig, um den Betrieb am Laufen und das Personal halten zu können“, da Betriebe teurere Vorprodukte einpreisen müssen. Er merkt an, dass der vermehrte Einsatz von Convenience-Produkten zeige, „dass sich viele Betriebe im Überlebensmodus befinden“.
Das Sittenbild Die Branche steckt in einem Teufelskreis aus steigenden Kosten, Personalmangel und schwindender Kundennachfrage. Während die Politik zur Entlastung bei Lohnnebenkosten und Bürokratie aufgerufen wird, kämpfen Betriebe durch verkürzte Öffnungszeiten oder die Auslagerung der Produktion schlicht um ihre Existenz.
Zwischen den Zeilen
- Die Statistik Austria erhebt Gastropreise primär in Städten und Tourismuszentren, was die Daten laut Branchenvertretern beeinflussen kann.
- Ein massiver Personalmangel führt bereits zu einer Reduktion der Servicequalität und kürzeren Betriebszeiten.
- Landgaststätten stehen in einem harten Wettbewerb mit steuerlich begünstigten Vereinskantinen und Tankstellen.
Follow the money: Das relative Gewicht der Gastronomie im Warenkorb sank um zwölf Prozent, während die Preise für Restaurantbesuche seit 2020 um 45,6 Prozent in die Höhe schossen. Besonders drastisch ist die Teuerung bei Speisen: Vegetarische Gerichte verteuerten sich um 62 Prozent, ein paniertes Schnitzel kostet heute 53 Prozent mehr als vor fünf Jahren.
Die andere Sicht: Auf dem Land zeigt sich ein differenzierteres Bild, da Gaststätten oft im Eigenbesitz sind und somit keine Mieten oder Pachtzahlungen die Kalkulation belasten. Hier fallen die Preiszuwächse tendenziell geringer aus als in den urbanen Ballungszentren.
Warum das wichtig ist: Die Gastronomie verliert ihre Rolle als erschwinglicher sozialer Treffpunkt für die breite Masse. Wenn die Preisschere zwischen Einkommen und Restaurantkosten weiter auseinandergeht, droht ein dauerhafter Strukturwandel, der das traditionelle Wirtshaussterben insbesondere in den Städten weiter beschleunigen wird.
Quellen: Der Standard
