Industriellenvereinigung fordert Reformen für Standortpolitik

Die heimische Industrie kämpft im zweiten Jahr der Rezession. „In den letzten Jahren musste eine Herausforderung nach der anderen bewältigt werden. Dies erfordert von uns als Gesellschaft und Wirtschaft eine Anpassung an stärkere Volatilitäten", betont IV-Präsident Georg Knill in der ORF-Pressestunde. Er fordert Mut und Reformwillen von der neuen Bundesregierung, um die Kosten für Arbeit, Bürokratie und Energie zu senken.

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Redaktion

Knill betont, dass Österreichs Attraktivität als Standort gefährdet ist. Trotz hoher Lebensqualität und guter Fachkräfte seien die Kosten für Energie, Bürokratie und Arbeit stark gestiegen. „Dieses Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden, damit das Preis-Leistungs-Verhältnis für Österreich wieder stimmt“, so Knill.

Lohnnebenkosten senken

Eine Senkung der Lohnnebenkosten sei unerlässlich. Knill schlägt vor, den Arbeitslosenversicherungsbeitrag und den Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) zu reduzieren. Diese Maßnahmen sollen den Arbeitsstandort entlasten, ohne die sozialen Standards zu beeinträchtigen.

Arbeitsvolumen erhöhen

Angesichts des Fachkräftemangels und der steigenden Sozialkosten müsse das Arbeitsvolumen erhöht werden. „Anreize für längeres Arbeiten sowie steuerliche Begünstigungen für Überstunden sind notwendig“, erklärt Knill. Ein Wechsel von Teilzeit zu Vollzeit oder eine Anhebung der Vollzeitarbeitszeit auf 41 Stunden seien mögliche Schritte.

Pensionsreform notwendig

Knill kritisiert das aktuelle Pensionssystem als unfair und kostspielig. Ohne Reformen werde das System bis 2050 das Budget mit einer Billion Euro belasten. Er fordert Anreize für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben und eine Anpassung an die gestiegene Lebenserwartung. Auch die OECD empfiehlt Reformen zur Vermeidung vorzeitiger Pensionierungen.

FPÖ unterstützt Kritik

FPÖ-Klubobmannstellvertreterin Dagmar Belakowitsch unterstützt Knills Kritik an der Bundesregierung. „Wenn das hart erarbeitete Steuergeld der Staatsbürger sinn- und planlos rundumverteilt wird und Millionen an Coronatests und Impfstoffe gegen Covid-19 für ‚die ganze Welt‘ gekauft werden, kann man an negativer Kritik nicht vorbeikommen. Nun hat auch Knill endlich erkannt, dass diese Bunderegierung auf der Ausgabenseite Schindluder treibt“, sagt Belakowitsch.

Sie fordert eine Strukturänderung und ein modernes Denken, um Österreich wirtschaftlich wieder attraktiv zu machen.

SPÖ vs. IV

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim kritisiert die Aussagen von IV-Chef Knill scharf. Seltenheim bezeichnet die Industriellenvereinigung als Lobby der Großkonzerne und Superreichen, die gegen Arbeitnehmer vorgeht. Er lehnt Forderungen nach längeren Arbeitszeiten, Bestrafungen für Teilzeitkräfte und Pensionskürzungen ab.

Quelle

Industriellenvereinigung

FPÖ

SPÖ

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