Die jahrzehntelange rote Herrschaft in St. Pölten ist mit einem gewaltigen Knall implodiert. Nach 61 Jahren verliert die SPÖ ihre absolute Mehrheit und steht vor den Scherben einer Politik, die den Kontakt zu den Menschen offensichtlich komplett eingebüßt hat. Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) muss nun die Demut lernen und sich nach Partnern umsehen. Dieses politische Beben ist die gerechte Quittung für eine Partei, die Arroganz mit Regierungsfähigkeit verwechselt hat.
Der Auslöser: Am vergangenen Sonntag stürzte die SPÖ bei der Gemeinderatswahl in ihrer einstigen Vorzeige-Hochburg auf 42,53 Prozent ab. Ein Verlust von satten 13,5 Prozentpunkten markiert das Ende einer Ära. Während die Genossen in Wien noch verzweifelt über den „Babler-Effekt“ schwadronieren, ist dieser in Niederösterreich längst wirkungslos verpufft.
Wer sagt was:
- Bürgermeister Matthias Stadler von der SPÖ kündigte trotz des Desasters an: „[Ich werde] weiterhin an Bord bleiben“.
- FPÖ-Chef Herbert Kickl hingegen sieht in dem Ergebnis eine „rot-weiß-rote Welle der Erneuerung“.
- Landeshauptmann Johanna Mikl-Leitner von der ÖVP sprach von einem „frischen Wind“ im Rathaus, während der ÖVP-Kandidat Krumböck den Abend als „historisch“ bezeichnete.
- „Die St. Pöltner Wähler haben heute gezeigt, dass sie dieses rote System satthaben“ so Martin Antauer (FPÖ St. Pölten).
Das Sittenbild: Der Absturz in St. Pölten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer abgehobenen Machtpolitik. Es ist das klassische Versagen eines Systems, das sich zu lange auf alten Lorbeeren ausgeruht hat.
Zwischen den Zeilen: Die Details zeigen das wahre Ausmaß des Vertrauensverlustes:
- Die KPÖ zieht nach 40 Jahren mit 3,82 Prozent wieder in den Gemeinderat ein.
- Selbst die kleinen Parteien wie die NEOS sicherten sich mit 2,72 Prozent einen Sitz am Tisch der Macht.
- Martin Antauer punktete mit einer gefühlsoptimierten Kampagne und konnte sehr erfolgreich enttäuschte Bürger ansprechen. Die FPÖ konnte ihr Ergebnis von 8,9 auf 19,75 Prozent mehr als verdoppeln.
Was bleibt über: Hochmut kommt vor dem Fall. Wer jahrzehntelang am Volk vorbeiregiert, darf sich über die gnadenlose Quittung an der Wahlurne nicht wundern.
Warum das wichtig ist: Dieses Ergebnis ist ein politischer Tsunami, der bis nach Wien in die Löwelstraße schwappt. Andreas Babler verliert seine wichtigste Bastion und damit massiv an Rückhalt innerhalb seiner eigenen Partei. Der machtpolitische Schaden für die Sozialdemokratie ist immens, da Pfründe und Posten nun neu verteilt werden müssen.
Quellen:
