Heer des Regierungssprechs

Österreichs Regierung rüstet medial auf während der unabhängige Journalismus stirbt.

Bundesregierung - Michael Indra - Sepa Media - FoB Style
Redaktion

Während die heimischen Redaktionen wegbrechen, bläht die Regierung ihren PR-Apparat mit Steuergeld schamlos auf. Ein Heer der Schönfärber von fast 1.000 Kommunikatoren poliert in den Ministerien und Landesregierungen das Image der Mächtigen. Das Problem ist offensichtlich: Eine immer schwächere vierte Gewalt trifft auf eine hochgerüstete Übermacht der staatlichen Selbstdarstellung.

Der Auslöser: Am 3. Februar 2026 veröffentlichte die Tageszeitung Der Standard eine umfassende Erhebung zum Personalstand in den Pressestellen öffentlicher Einrichtungen. Die Analyse entlarvt eine massive Aufrüstung der Öffentlichkeitsarbeit in Bund, Ländern und Städten zum Stichtag Ende 2025.

Wer sagt was:

  • Andy Kaltenbrunner, Kommunikationswissenschafter: „Österreichs Journalismus mit immer weniger Personal muss immer steiler bergauf laufen […]“
  • Ein Kenner des Kanzleramts, der anonym bleiben möchte: „Das Verhältnis verschiebt sich, weil mit den Jobkürzungen die Kraft der vierten Gewalt schwindet.“

Das Sittenbild: Das Systemversagen zeigt sich in der sogenannten Hangschräglage zwischen Information und unabhängiger Kritik. Während die Zahl der Journalisten seit 2006 um fast ein Drittel geschrumpft ist, rüsten Ministerien ihre Apparate zur gezielten Themensteuerung auf.

Zwischen den Zeilen: Hinter der Fassade der Information verbirgt sich ein ausgeklügeltes System der Message Control.

  • Fakt: Viele Ministerien verweigern die volle Transparenz über Personal in nachgeordneten Dienststellen.
  • Widerspruch: Man spricht von Sparsamkeit, vergibt aber gleichzeitig externe PR-Aufträge in Millionenhöhe.
  • Detail: Das Bundeskanzleramt allein beschäftigt rund 100 Personen für die mediale Dauerbeschallung.

Follow the money:

  • Gesamtstellen für PR im öffentlichen Bereich: 968
  • Davon im Bundeskanzleramt und den Ministerien: 498
  • Beispielweise ein externer PR-Auftrag des Infrastrukturministeriums: 850.000 Euro
  • Personalkosten in den Ministerkabinetten für PR: 64,5 Vollzeitstellen

Was bleibt über: Die Regierung kauft sich mit dem Geld der Bürger ihr eigenes Wohlwollen, während die unabhängige Presse verhungert. Ein Armutszeugnis für ein Land, das sich gerne als Hort der Freiheit inszeniert.

Warum das wichtig ist: Diese Machtmechanik zerstört das demokratische Gleichgewicht nachhaltig. Wenn staatliche PR-Abteilungen größer sind als die Redaktionen, die sie kontrollieren sollen, wird Journalismus zum bloßen Erfüllungsgehilfen von Presseaussendungen. Der Bürger erhält keine unabhängige Information mehr, sondern nur noch die gefilterte Wahrheit der Mächtigen. Dieser strukturelle Umbau des Mediensystems gefährdet die Qualität der politischen Willensbildung und schützt unfähige Akteure vor berechtigter Kritik.

Quellen:

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