Jubel auf Pump

Teure Märchen statt echter Entlastung auf Kosten der Steuerzahler.

Andreas Babler - Sandra Breiteneder - SEPA Media - Martin Juen - FoB Style
Redaktion

Die Bundesregierung feiert sich für eine sinkende Inflationsrate, während die Bürger weiterhin unter den massiven Preissteigerungen der letzten Jahre ächzen. Vizekanzler Andreas Babler und Finanzminister Markus Marterbauer (beide SPÖ) verkaufen eine statistische Normalisierung als politisches Meisterstück. Dabei kaschiert der Jubel über zwei Prozent Teuerung nur das strukturelle Versagen bei der nachhaltigen Entlastung.

Der Auslöser: Die Schnellschätzung der Statistik Austria für den Jänner 2026 weist eine Inflationsrate von 2,0 Prozent aus. Diesen Umstand nutzen die Regierungsspitzen am 4. Februar 2026 für eine konzertierte PR-Offensive, um ihren angeblichen Kurs der „Teuerungsbekämpfung“ zu legitimieren.

Wer sagt was:

  • Andreas Babler, Vizekanzler (SPÖ), behauptet: „Wir haben die Teuerungskrise gebrochen […] das ist die Bestätigung für den Regierungskurs.“
  • Markus Marterbauer, Finanzminister (SPÖ), ergänzt: „Die Inflationsrate von zwei Prozent bestärkt nun unseren Kurs.“
  • Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP): „Zwei Prozent Inflation bedeuten vor allem eines: mehr Luft zum Atmen.“
  • Generalsekretär der ÖVP, Nico Marchetti: „Das 2-Prozent-Inflationsziel von Bundeskanzler Christian Stocker wurde erreicht.“
  • Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Generalsekretär Douglas Hoyos (beide NEOS): „Erfreuliches Etappenziel von 2% erreicht – Reformen müssen konsequent weiterverfolgt werden.“

Die andere Sicht:

  • Sigi Mauer, stellvertretende Klubobfrau der Grünen: „Außerdem beeinflussen ein Großteil der von der Regierung angekündigten Maßnahmen die Inflationsrate überhaupt nicht.“
  • Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, stellt klar: „Statistische Effekte dürfen […] nicht über den tatsächlichen Reformbedarf im Land hinwegtäuschen“.

Das Sittenbild: Es ist das klassische Schauspiel der politischen Selbstinszenierung. Man wartet, bis globale Basiseffekte und sinkende Energiepreise am Weltmarkt die Zahlen ohnehin drücken, und verkauft das Ergebnis dann als eigenen Verdienst. Dass die Preise im Vergleich zu 2023 auf einem absurd hohen Niveau eingefroren sind, wird im Siegestaumel der Minister dezent unter den Teppich gekehrt.

Zwischen den Zeilen: Hinter der glänzenden Fassade der zwei Prozent verbergen sich bittere Realitäten für den Steuerzahler.

  • Der Fakt: Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel greift erst im Sommer und ist ein teures Instrument.
  • Der Steuer-Trick: Während die Regierung die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel mit 400 Mio. Euro beziffert, holt sich das Finanzministerium über die Erhöhung der Tabaksteuer im Februar bereits 100 Mio. Euro an Mehreinnahmen zurück.
  • Die Preistreiber: Nicht der Handel, sondern Strom mit einem Plus von 37,3 % sowie staatliche Tarife und Gebühren mit +4,9 % waren 2025 die wahren Inflationstreiber.
  • Der Österreich-Aufschlag: Globale Markenkonzerne nutzen territoriale Lieferbeschränkungen, um Preise künstlich hochzuhalten, was EU-Konsumenten jährlich 19 Mrd. Euro kostet.
  • Das Wohnen: Mietpreisbremsen im öffentlichen Bereich kommen spät und ändern nichts an der Tatsache, dass Wohnen in Österreich zum Luxusgut mutiert ist.

Follow the money: Die Bundesregierung rühmt sich der Budgetkonsolidierung, während die Subventionen für Preiseingriffe in Milliardenhöhe fett zu Buche schlagen. Besonders die Senkung der Elektrizitätsabgabe und diverse Bonuszahlungen haben Löcher in die Staatskasse gerissen, die künftige Generationen stopfen müssen.

Was bleibt über: Die Regierung feiert den Brandlöscher, nachdem sie das Haus jahrelang hat brennen lassen. Sparsamkeit? Klar, wenn’s um die echte Entlastung des Mittelstandes geht.

Warum das wichtig ist: Diese Form der Kommunikation verschleiert die Machtmechanik der Umverteilung von unten nach oben. Indem die Regierung die Inflation zur „beendeten Krise“ erklärt, entzieht sie sich der Verantwortung für die dauerhaft hohen Lebenshaltungskosten. Der Bürger wird mit statistischen Erfolgsmeldungen abgespeist, während die Kaufkraft im Vergleich zur Vor-Krisen-Zeit massiv eingebüßt hat. Es ist ein gefährliches Spiel mit der Wahrnehmung, das die strukturelle Korruption durch Ineffizienz und bürokratische Scheinmaßnahmen deckt.

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