In drei Sätzen: Der katarische Oppositionelle Khalid Al-Hail warnt im britischen Exil vor den massiven Einflussoperationen seines Heimatlandes, das sich dem Westen als Partner aufdrängt. Während das Regime in Doha vorgibt, eine Brücke zwischen den Kulturen zu bauen, dient das staatliche Mediennetzwerk Al Jazeera laut Al-Hail als Sprachrohr für radikale Islamisten und Terrororganisationen. In den vergangenen Jahrzehnten gelang es der Al-Thani-Dynastie so, durch die Finanzierung von Universitäten und Moscheen in Europa eine gefährliche Abhängigkeit zu schaffen, die westliche Werte untergräbt.
Der Auslöser: Anlass der Kritik ist das Doha Forum vom Dezember sowie die Nachbetrachtung des Al-Jazeera-Forums, bei dem Akteure der Hamas und des Irans eine Bühne erhielten.
Wer sagt was:
- Khalid Al-Hail findet deutliche Worte über die Strategie des Regimes: „Sie sind Verbündete von Regierungen – nicht von Gesellschaften.“
- Er kritisiert die scheinbare Neutralität des Senders Al Jazeera und betont: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das Al-Jazeera-Netzwerk kaum mehr als eine Bühne für Terrorführer und Potentaten, um öffentlich gegen den Westen zu polemisieren.“
Das Sittenbild: Katar nutzt seinen immensen Reichtum, um sich diplomatische Immunität zu kaufen und gleichzeitig radikale Ideologien zu fördern. Während westliche Staatschefs bei Banketten über Menschenrechtsverletzungen hinwegsehen, festigt das Emirat seine Rolle als unverzichtbarer Vermittler, der jedoch im Kern die westliche Zivilisation ablehnt.
Zwischen den Zeilen:
- Führende Köpfe von Al-Qaida, Hamas und Hisbollah residieren in Doha und erhalten regelmäßig Sendezeit.
- Das Al-Jazeera-Forum im vergangenen Monat bot Radikalen wie Khaled Meshaal und Vertretern des Irans eine unkritische Plattform.
- Westliche Bildungseinrichtungen und Politiker werden gezielt finanziert, um katarische Interessen in Europa zu verankern.
- Bei der Evakuierung Afghanistans fungierte Katar als PR-Maschine, um den chaotischen Rückzug als geordneten Abzug darzustellen.
Follow the money: Katar investiert massiv in den Zusammenbruch der regelbasierten Weltordnung und nutzt seinen Status als einer der reichsten Staaten, um Einfluss in der EU und den USA zu kaufen. Die wirtschaftliche Verflechtung dient als Schutzschild gegen demokratische Konsequenzen für Korruption und Folter.
Die andere Sicht: Das offizielle Katar bewirbt seine Veranstaltungen wie das Doha Forum unter dem Motto „Diplomatie, Dialog und Vielfalt“. Das Ziel sei es angeblich, den globalen Dialog zu fördern und ein „globales Vertrauen neu zu definieren“, indem man Raum für multipolare Perspektiven schafft.
Go Deeper:
- Guest Commentary by Khalid Al-Hail: West’s Preferred Autocracy
- Gastkommentar von Khalid Al-Hail: Des Westens bevorzugte Autokratie
Warum das wichtig ist: Wenn der Westen militärische Partner fälschlicherweise für ideologische Verbündete hält, droht eine schleichende Selbstaufgabe der eigenen Werte. Es ist schon eine beachtliche Leistung, sich von einem Wüstenstaat, der Terroristen beherbergt, erklären zu lassen, wie man „globales Vertrauen“ definiert.
Quelle: Redaktion
