In drei Sätzen: Im Beschuss durch iranische und israelische Raketen gehen im Nahen Osten Öl-Vorräte, Raffinerien und Tanker in Flammen auf, die Straße von Hormus ist fast vollständig gesperrt: Seit den Morgenstunden des Montags steigt der Öl-Preis weiter. Die Folgen werden auch Deutschlands und Österreichs ohnehin schwächelnde Wirtschaft hart treffen. Zum ersten Mal seit Juli 2022 hat der Preis für Rohöl die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Irritierend: Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer verbreitete kürzlich eine „Entwarnung“.
Der Auslöser: Iranische und israelische Raketen setzen Raffinerien und Tanker in Brand, die Meerenge von Hormus ist unpassierbar. Noch dazu werden auch im Mittelmeer LNG-Tanker von ukrainischen Schiffs-Drohnen angergriffen und versenkt. Seit Montagmorgen klettert Brent weiter, die asiatischen Börsen stürzen ab.
Wer sagt was:
- US-Präsident Donald Trump: „Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt.“ Er fügt hinzu: „NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!“
- Die Realität zeigt ganz anderes: In Österreich steigen Spritpreise bereits spürbar. Es droht eine Energiekrise.
- Wolfgang Hattmannsdorfer (Wirtschaftsminister, ÖVP) war noch am Dienstag um Beruhigung bemüht: Er stellte klar, dass Österreich bei der Versorgungssicherheit „im europäischen Spitzenfeld“ liege. Deshalb sei „Entwarnung“ angesagt. Österreich importiert jährlich neun bis zehn Millionen Tonnen Öl. Hauptlieferanten seien Kasachstan (56 Prozent), Libyen (14 Prozent) und Saudi-Arabien (12 Prozent). Aus dem Iran werde kein Gas oder Rohöl importiert.
Das Sittenbild: Die Bundesregierung spielt die Bedrohung der Österreicher durch enorme Preissteigerungen bei der Energieversorgung und in Folge auch bei Lebensmitteln herunter. Wenn generell kaum noch Öl mit Tankern transportiert wird, dann kommt auch keines mehr aus Saudi-Arabien. Trump verkauft die Eskalation als Befreiungsschlag, er ignoriert die unmittelbare Belastung für alle Normalbürger. Und in Europa fehlt jede Gegenwehr.
Zwischen den Zeilen:
- Die Straße von Hormus transportiert täglich 20 Millionen Barrel.
- Seit Kriegsbeginn vor über einer Woche passieren fast keine Tanker mehr.
- Die Kosten für Versicherungsprämien explodieren – hunderte Schiffe meiden die Route.
- OPEC+ erhöht Förderung nur um 206.000 Barrel pro Tag.
- Der Irak kürzt Produktion um 1,5 Millionen Barrel täglich.
- Die Houthis drohen mit neuen Angriffen im Roten Meer.
Follow the money: Der Ölmarkt reagiert nun heftig auf die Ernennung von Mojtaba Khameini zum neuen Ober-Mullah und auf die anhaltenden Kämpfe. US-Rohöl-Futures stiegen zeitweise um über 20 %. Während Brent-Öl die Marke von 108 Dollar durchbrach. Die Angst vor einer globalen Inflation ist deutlich spürbar.
Warum das wichtig ist: Die neue Teuerung zerfrisst den noch vorhandenen Wohlstand, Österreichs Bundesregierung muss endlich Realpolitik betreiben – und mit einer sofortigen Aussetzung der CO2-Steuer gegensteuern, dazu Wucherpreise auf Tankstellen verhindern. Nur „Entwarnung“ geben, aber mit der ganzen Nation gegen die Teuerungswand fahren, ist unverantwortlich.
Link: Handelsblatt
