Endstation für EU-Beamten

Ehemaliger Verkehrschef nach Luxusreisen auf Staatskosten Katars fristlos entlassen.

Ursula von der Leyen - Sepa Media - Martin Juen - FoB
Redaktion

In Brüssel ist die Schonzeit für Luxus-Lobbyisten im Beamtenstatus vorbei. Der estnische Spitzenbeamte Henrik Hololei wurde nach jahrelangem Lavieren aus dem Dienst der EU-Kommission gefeuert. Der ehemalige Generaldirektor für Verkehr hatte sich während sensibler Verhandlungen mit dem Golfstaat Katar großzügig mit Business-Class-Flügen von Qatar Airways bestechen lassen. Das Problem ist klar: Wer Luxus-Geschenke von Verhandlungspartnern annimmt, verliert jede moralische Integrität und schadet den Interessen aller europäischen Bürger.

Der Auslöser: Am 29. Januar 2026 zog die EU-Kommission offiziell die Reißleine und beendete das Arbeitsverhältnis mit Henrik Hololei. Die Entscheidung folgte auf ein abgeschlossenes Disziplinarverfahren, das schwerwiegende Verstöße gegen Transparenzregeln und interne Compliance-Vorschriften bestätigte.

Wer sagt was:

  • Henna Virkkunen, EU-Vize-Präsidentin (EVP): „Ein Disziplinarverfahren gegen einen hochrangigen Beamten wurde abgeschlossen […] angemessene Maßnahmen wurden getroffen.“
  • Henrik Hololei, ehemaliger Berater (parteilos): „Ich bin enttäuscht, aber ich akzeptiere die Entscheidung der Kommission […]“
  • Daniel Freund, EU-Abgeordneter (Grüne): „Dass der Generaldirektor den Interessenkonflikt in diesem Geschenk nicht erkannte, disqualifiziert ihn.“

Das Sittenbild: Der Fall Hololei ist das nächste hässliche Kapitel im Buch der EU-Korruption, das bereits durch das „Qatargate“ um Eva Kaili gefüllt wurde. Es zeigt, wie verwundbar die Institutionen sind, wenn Kontrolleure sich ihre eigenen Dienstreisen genehmigen dürfen. Brüssel kämpft hier nicht gegen einen Einzelfall, sondern gegen ein strukturelles Versagen der Ethik-Mechanismen.

Zwischen den Zeilen: Hinter den Kulissen wiegt der Vorwurf des Geheimnisverrats besonders schwer.

  • OLAF-Ermittler (EU-Ermittler der Betrugsbekämpfung) werfen Hololei vor, vertrauliche EU-Interna zum „Open Skies“-Abkommen direkt an katarische Vertreter durchgestochen zu haben.
  • Das Abkommen sicherte Qatar Airways massiven Marktzugang in Europa, ohne dass EU-Airlines gleichwertige Vorteile erhielten.
  • Hololei soll sogar vertrauliche Positionen von Deutschland und Frankreich preisgegeben haben, bevor die offiziellen Verhandlungen überhaupt begannen.

Follow the money: Hololei genoss zwischen 2015 und 2021 mindestens neun Gratis-Flüge in der luxuriösen Business Class. Die Kosten im Wert von mehreren zehntausend Euro wurden direkt von der katarischen Regierung oder der Lobbyorganisation AACO übernommen. Auch Hotelkosten für Luxus-Aufenthalte wurden nachweislich abgerechnet.

Was bleibt über: Das Urteil fällt vernichtend aus: Die EU-Bürokratie ist so korrumpiert, dass Spitzenbeamte ihre Loyalität für ein paar bequeme Flugsitze und Hotelbetten verkaufen. Der Rausmiss ist keine Heldentat der Kommission, sondern eine überfällige Schadensbegrenzung nach Jahren des Wegsehens.

Warum das wichtig ist: Dieser Skandal demonstriert die gefährliche Machtmechanik in Brüssel: Ein einziger Beamter in einer Schlüsselposition kann durch die Annahme von Geschenken ganze Marktregeln zum Nachteil europäischer Unternehmen beeinflussen. Wenn solche Praktiken folgenlos blieben, würde das Vertrauen in die EU endgültig versickern. Es geht um mehr als einen gefeuerten Esten. Es geht darum, ob Brüssel ein Marktplatz für Interessenvertreter oder eine Verwaltung für uns ist.

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