In drei Sätzen: Das Außenministerium unter Beate Meinl-Reisinger nutzt das Vehikel der Pressereisen als strategische Schaltstelle zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Durch die Übernahme von anteiligen Reisekosten für Medienvertreter wird die notwendige Distanz zwischen Politik und Berichterstattung unter dem Deckmantel der Transparenz systematisch untergraben. Dieses Sittenbild dokumentiert eine gefährliche Nähe, die das Fundament der unabhängigen Pressefreiheit für die Reiselust opfert.
Der Auslöser: Eine parlamentarische Anfrage der FPÖ-Abgeordneten Christian Hafenecker vom 11. Dezember 2025 legte das finanzielle Volumen der journalistischen Begleitungen offen.
2025 im Detail: So finanziert finanziert das Außenministerium den Lustdirnenjournalismus:
| Datum | Reiseziel | Anzahl Medienvertreter | Anzahl Mitarbeiter |
|---|---|---|---|
| 13.–15.03.2025 | Kiew | 4 | 7 |
| 03.–04.04.2025 | Sarajewo | 3 | 4 |
| 28.–30.04.2025 | Belgrad | 1 | 4 |
| 26.06.–01.07.2025 | Nikosia, Kairo, Amman, Tel Aviv und Ramallah | 4 | 7 |
| 16.–18.07.2025 | Podgorica | 1 | 5 |
| 23.–25.07.2025 | Washington | 8 | 6 |
| 19.–21.08.2025 | Chisinau und Odessa | 6 | 6 |
| 21.–26.09.2025 | New York | 15 | 6 |
| 12.–13.10.2025 | Bukarest | 3 | 5 |
| 25.–26.11.2025 | Tirana | 2 | 4 |
Wer sagt was: Beate Meinl-Reisinger (NEOS) lässt mitteilen: „Wie bei Reisebegleitungen von Mitgliedern der Bundesregierung durch Medien üblich, wird jedem Medium ein Teilbetrag der angefallenen Reisekosten in Rechnung gestellt“.
Das Sittenbild: Trotz sinkender Budgets in anderen Bereichen stiegen die Ausgaben für Begleitungen durch Journalisten seit 2019 massiv an. Die Akteure im BMEIA schaffen sich so eine loyale Entourage, die unter dem Vorwand der „Informationspflicht“ globale Reisen auf Kosten der Steuerzahler antritt.
Zwischen den Zeilen
- Im Jahr 2025 nahmen insgesamt 47 Medienvertreter an Auslandsreisen des BMEIA teil. Die Redaktionen wurden nicht öffentlich gemacht.
- Die größte journalistische Delegation im Jahr 2025 begleitete die Ministerin 15 Journalisten nach New York.
- Das BMEIA verweigert eine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten für Flug, Unterkunft und Bewirtung pro Reise.
- Die Austrian Development Agency (ADA) finanzierte 2025 zusätzlich eine Reise in den Kosovo mit 5.278,92 Euro.
Follow the money: Die Gesamtkosten für Journalistenreisen erreichte einen Spitzenwert von 139.244,27 Euro im Jahr 2022. Im Jahr 2025 wurden trotz angeblicher Sparsamkeit 48.883,17 Euro für die Annehmlichkeiten der Presse aufgewendet. Details zu den einzelnen Abrechnungen unter dem Vorwand des „hohen Verwaltungsaufwandes“ verweigert.
Die andere Sicht: Das Ministerium rechtfertigt die Praxis als notwendiges Mittel, um die Arbeit der Regierung „nachvollziehbar zu machen“. Diese subjektive Wahrnehmung steht im echten Widerspruch zur Weigerung, volle Kostentransparenz über die Bewirtung der geladenen Gäste herzustellen.
Warum das wichtig ist: Wenn der Staat zum Reisebüro für Journalisten wird, endet die unabhängige Kontrolle und beginnt die Hofberichterstattung. Dieses System korrumpiert die vierte Gewalt und verwandelt Kritiker in subventionierte Begleiter der Macht.
In eigener Sache: Aus Prinzip würde Fass ohne Boden sich nicht auf eine Journalistenreise einladen lassen. Seit der Gründung hat die Redaktion bei keinem Hintergrundgespräch und bei keiner Auslandsreise teilgenommen.
Quellen:
