Der Immobilienjongleur René Benko sitzt seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Währenddessen spaziert sein ehemaliger Luxuszwirn durch die Gänge des Außenministeriums. Fari Ramic, ein aufstrebender Jurist im Kabinett der NEOS, hat sich den Tom-Ford-Anzug aus der Insolvenzmasse gesichert. Es ist die textile Demütigung für den gefallenen Tycoon, der einst Journalisten mit Klagen eindeckte. Nun trägt ausgerechnet jener Mann seine Kleidung, der beruflich gegen genau solche Einschüchterungstaktiken vorgeht.
Der Auslöser: Am 24. Januar 2026 jährt sich Benkos Inhaftierung zum ersten Mal. Parallel dazu versteigerte die Justiz private Gegenstände des Pleitiers aus seinem einstigen Luxusleben. Ramic nutzte die Gunst der Stunde und erwarb das exklusive Stück für einen Bruchteil des ursprünglichen Neupreises bei einer Online-Auktion.
Wer sagt was:
- Fari Ramic, Regierungskoordinator im Kabinett von NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger: „Benko hat sich damals sehr arrogant und unangenehm verhalten“.
- Der Jurist erinnert sich an seine Zeit als Referent im Untersuchungsausschuss des Parlaments. Dort erlebte er den tiefen Fall des Unternehmers aus nächster Nähe.
- Fari Ramic ergänzt zynisch: „Der Anzug sieht jetzt auch einmal die helle Seite der Welt“.
Das Sittenbild: Der Fall zeigt die Ironie der österreichischen Zeitgeschichte. Ein Symbol für protzigen Reichtum dient nun einem Beamten, der die Trümmer der Ära Benko fachlich aufarbeitet.
Zwischen den Zeilen:
- Der Zustand des Anzugs war bei der Abholung schlechter als im Auktionskatalog ursprünglich beschrieben.
- Ramic musste das Kleidungsstück massiv umarbeiten lassen, da er deutlich sportlicher gebaut ist als Benko.
- Der NEOS-Mann plant bereits den nächsten Coup und schielt auf Devotionalien des ebenfalls insolventen Karl-Heinz Grasser.
Follow the money: Der Rufpreis für das Designerstück lag bei 400 Euro. Den Zuschlag erhielt Ramic schließlich bei 700 Euro. Inklusive Steuern und Gebühren zahlte er 840 Euro. Laut Ramic soll der Neupreis des Anzugs bei ca. 5.000 Euro gelegen haben.
Was bleibt über: Wenn die Milliarden erst einmal versickert sind, bleibt nur ein gebrauchtes Stück Stoff übrig. Es ist die textile Form der ausgleichenden Gerechtigkeit in einer Republik, die ihre Immobilienkönige endlich entzaubert hat.
Warum das wichtig ist: Hier wird Macht sichtbar umverteilt. Es ist kein bloßer Kleidungskauf, sondern ein Statement gegen die Arroganz der alten Machtzirkel. Der Bürger sieht, dass die Protagonisten des Systems Benko wortwörtlich ihre letzte Haut lassen müssen. Es ist ein seltener Moment, in dem die politische Hygiene im Land auch modisch zum Ausdruck kommt. Die Gerechtigkeit siegt hier über den Größenwahn.
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