In drei Sätzen: Der Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kommt am 2. März 2026 nach Wien, um bei einem Ramadan-Event der Union Internationaler Demokraten (UID) aufzutreten. Die UID mobilisiert die türkeistämmige Community seit 2006 für Erdogan und dessen Politik, wie die Dokumentationsstelle Politischer Islam seit Langem dokumentiert. UID gilt seit Jahren als AKP-Lobby in Österreich.

Der Auslöser: Die UID Austria lädt für den 2. März 2026 um 16:30 Uhr in die Royal EventHalle in Wien-Meidling ein. Necmeddin Bilal Erdogan und AKP-Vize Zafer Sırakaya sprechen beim Ramadan-Treffen.
Wer sagt was:
- Necmeddin Bilal Erdogan tritt als Vorsitzender der Ilim Yayma Vakfi auf und verkörpert die religiöse Legitimation der Erdogan-Dynastie.
- Zafer Sirakaya preist als AKP-Außenpolitiker die „Brückenfunktion“ zur Diaspora.
- Die Dokumentationsstelle Politischer Islam stuft die UID klar ein: „Die UID übernimmt eine Brückenfunktion zwischen der Erdogan-Regierung und der türkeistämmigen Diaspora.“
Big Picture:
- Über Moscheen der ATIB (Diyanet-nahe Türkisch-Islamische Union) und der Milli Görüs-Verbände (Islamische Föderation/IGMG) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für AKP-nahe Positionen mobilisiert. Wie DPI-Berichte und Analysen zur Diaspora-Politik zeigen, nutzen diese Strukturen religiöse Räume für politische Einflussnahme und Wahlkampf in Österreich.
- Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), hat am 3. Mai 2025 ein Memorandum of Understanding mit dem Diyanet-Präsidenten Ali Erbas unterzeichnet, das die Zusammenarbeit in Bildung, Theologie und interkulturellem Austausch vertieft und damit türkisch-staatliche Einflusskanäle weiter institutionalisiert.
- Durch diese Kooperation und Vurals Führungsrolle (seit 2018, wiedergewählt 2023) werden Strukturen des politischen Islams aus Ankara in Österreich und Europa zunehmend salonfähig gemacht.
Das Sittenbild: Während österreichische Politiker Transparenz und Integration predigen, importiert die AKP über ihre Lobby unverhohlen autoritären Islam und Wahlkampf. Die Doppelmoral ist offenkundig: Freiheit für alle, außer für Kritiker Erdogans in der Diaspora.
Zwischen den Zeilen:
- Die Realität: Bei den Wahlen 2023 holte Erdogan in Österreich rund 73 Prozent der türkischen Stimmen, mobilisiert durch genau solche Netzwerke.
- Die UID wurde 2004 auf direkte Initiative Erdogans gegründet und agiert seit 2006 in Österreich mit Standorten in Wien, Salzburg und Vorarlberg.
- Der deutsche Verfassungsschutz stuft die UID als „größten regierungsnahen Interessenverband“ ein, der ausschließlich im Sinne der AKP wirkt.
- Der neue türkische Botschafter in Wien seit 2025, Gürsel Dönmez, leitete die UID Österreich von 2006 bis 2009, ein nahtloser Übergang von Lobby zu Diplomatie.
- Die UID mobilisiert nicht nur für Wahlen, sondern transportiert auch Narrative gegen „Islamophobie“ und für türkische Interessen.
Follow the money: Die UID finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der Diaspora, erhält aber indirekt Rückhalt durch AKP-nahe Strukturen wie YTB und TIKA.
Warum das wichtig ist: Der Auftritt von Bilal Erdogan in Wien ist kein harmloses Ramadan-Beten, sondern Teil eines systematischen Einflusses, der den politischen Islam aus Ankara in Österreich verankert. Die offene Einflussnahme eines fremden Staates und der verdeckte politische Wahlkampf auf österreichischem Boden müssen endlich unterbunden werden. Wer regiert hier eigentlich – Wien oder Ankara? Und was macht der Verfassungsschutz eigentlich beruflich?
Quellen:
Download des Dokuments auf dokumentationsstelle.at
