In drei Sätzen: Eine Sex-Chataffäre des Ex-ORF-Generaldirektors samt Versendung peinlicher Fotos und brisanter Strafanzeigen, dazu eine Luxuspensions-Causa und ein irritierendes Verhalten von Stiftungsräten: Der ORF versinkt weiter im Sumpf, verliert weiter an Vertrauen – die herzig bemühte Aktion der um ihre 3600 Jobs zitternden Mitarbeiter ändert daran wenig. Auch deshalb, weil noch immer wichtige Fragen nicht beantwortet werden, die nun FoB stellt.
Der Auslöser: Mit dem Auffliegen der Chat-Affäre von Roland Weißmann legte der Generaldirektor am 8. März sein Amt im ORF zurück. Die Vorwürfe drehten sich um Love-Chats und sein Verhalten über mehrere Jahre (seit Ende 2019), in denen die von Weißmann immer wieder kontaktierte Mitarbeiterin Machtmissbrauch und Belästigung sah. Weißmann sprach von einer einvernehmlichen Beziehung. Dazu zeigte sich ein möglicher Zusammenhang dieser Causa mit einer Verweigerung einer Zusatz-Luxuspension für einen ORF-Manager, der nun mit der Mitarbeiterin liiert ist, mit der Weißmann gechattet hat.
Was wir wissen wollen: Die noch immer nicht beantworteten Fragen zu diesem ungeheuerlichen Skandal:
- Wann darf die Öffentlichkeit endlich alle Chats sehen, um ein objektives Bild über das Ausmaß der Vorwürfe zu bekommen?
- Warum hat das angebliche Weißmann-Opfer Telefongespräche mit dem Chef aufgezeichnet und erst Jahre später veröffentlicht?
- Ist der bekannte Pius Strobl – Mitbegründer der Grünen – schon von seinem wochenlangen Krankenstand zurück, muss er wieder im ORF anwesend sein?
- Wann nimmt die Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher zu den in Medien verbreiteten Gerüchten über einen Kokain-Skandal im ORF Stellung?
- Wurde von der Interims-Generaldirektorin eine umfassende Durchsuchung der Newsrooms und aller Büros des ORF mit Drogenspürhunden in Auftrag gegeben?
- Kam es aufgrund der Drogen-Vorwürfe zu Anzeigen gegen ORF-Mitarbeiter und zu dienstrechtlichen Konsequenzen?
- „Und wann hören die Redakteure mit Supergehältern endlich auf mich mit ihren Unschulds-Kampagnen zu quälen?“ – diese Frage stellt dazu der bekannte Soziologe und Meinungsforscher Bernhard Heinzlmaier in einem X-Posting.
- Wie viele ORF-Mitarbeiter sind aktuell aufgrund von möglichen Verdachtsmomenten beurlaubt?
- Wann wird Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) seiner Verantwortung nachkommen und den ORF radikal reformieren?
- Wie werden die Gebührenzahler entschädigt, die zur Finanzierung dieses Skandal-Staatsfunks gezwungen werden?
- Wird der ORF mit rechtlichen Schritten dafür sorgen, dass die Hauptdarsteller in diesem Skandal-Theater für die von ihnen verursachten Schäden für das Unternehmen (zum Beispiel durch den Rückgang von Werbeeinnahmen) aufkommen müssen?
Das Sittenbild: Die Moralisten im Staatsfunk stecken selbst im größten Sumpf – das Saubermann-Image der ORF-Truppe ist schon längst zerbröselt. Ein herziger Versuch mit einer Reinwaschungs-Kampagne (#nichtmituns) scheitert in der Öffentlichkeit: Zu lange wurde von allen 3600 ORF-Mitarbeitern im Luxusgagen-Zirkus und beim Machtmissbrauch durch politische Einflussnahme zugesehen oder sogar mitgemacht.
Das große Ganze: Immer mehr Österreicher wollen eine Totalreform des Staatsfunks. Niemand benötigt mehr im Jahr 2026 ein alimentiertes Fernsehen, das private Angebot ist oft wesentlich besser und verbreitet keine News mit der Moralkeule. Die Bundesregierung sollte rasch auf diese Realität reagieren und Maßnahmen zur Privatisierung der Medienanstalt und zur Verkleinerung des ORF auf einen TV- und einen Radio-Sender starten.
Warum das wichtig ist: Der in Skandalen untergehende ORF kostet die Österreicher jährlich mehr als 720 Millionen Euro. Jeder Haushalt könnte diese Ausgaben für diese Zwangsgebühr jetzt, in der akuten Energie- und Wirtschafts-Krise, selbst gut gebrauchen. Das alte TV-Modell Staatsfunk hat längst ausgedient, das teure Faxgerät der Medienbranche braucht niemand mehr.
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Bernhard Heinzlmaier auf X
