In drei Zeilen: Der Prozess gegen den Investor Danny K. in Wien liefert derzeit nur die Kulisse für ein weit größeres Drama um den Hotelier Siegmund Kahlbacher. Was als Betrugsfall mit einem niederländischen Hauptangeklagten begann, weitet sich zu einer Untersuchung über österreichische Geschäftspraktiken aus. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
Der Auslöser: Die ORF-Sendung „Akte Betrug“ brachte den Stein ins Rollen, als Kahlbacher den unschuldigen Betrogenen markierte. Prompt meldeten sich geprellte Investoren, die durch Kahlbachers Desinfektionsmittel-Projekt „Akacid“ rund zehn Millionen Euro verloren haben wollen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat bereits eine Sachverhaltsdarstellung auf dem Tisch.
Wer sagt was:
- Gesundheitsberater Peter Heyer spricht von „Brechdurchfall“ angesichts von Kahlbachers TV-Auftritt.
- Ein weiterer Investor, ein Apotheker namens Lukas Mayerhofer, beklagt verlorene Investments.
- Kahlbacher selbst schiebt das Scheitern auf schlechtes Marketing der Investoren und sieht sich als Opfer einer Verleumdungskampagne durch einen gewissen Herrn W..
Das Sittenbild: Hier trifft niederländische Anklagebank auf österreichische Insolvenzrealität. Kahlbacher residiert trotz Privatinsolvenz zwischen alten Rolls-Royce und Mercedes, während Gläubiger ihrem Geld nachlaufen. Das Sittenbild wird durch die Tatsache abgerundet, dass Mitarbeiter, die Mängel meldeten, offenbar postwendend vor die Tür gesetzt wurden.
Das große Ganze: Das Chaos im Magna Racino (jetzt Comer City) ist symptomatisch für das gesamte Konstrukt:
- Brandschutzmängel wurden jahrelang ignoriert, während Bälle und Hochzeiten stattfanden.
- Der Bürgermeister von Ebreichsdorf, Wolfgang Kocevar (SPÖ), will von den massiven Brandschutzmängeln beim Stadtball nichts gewusst haben.
- Mitarbeiter warnten vergeblich vor defekten Notlicht-Steuergeräten und ungeprüften Feuerlöschern.
- Die Bezirkshauptmannschaft Baden musste das Haupthaus schließlich für Events sperren.
Zwischen den Zeilen:
- Ein Beratervertrag für den ehemaligen Innenminister Ernst Strasser sieht 5.000 Euro monatlich und eine Erfolgsprovision von 1,8 Millionen Euro vor.
- Strasser soll dafür die Umwidmung von einer Million Quadratmeter in Bauland und Industrieland „steuern“.
- Bürgermeister Kocevar winkt ab und verweist auf Natura-2000-Gebiete und fehlende Infrastruktur für Wohnbau.
- Kahlbacher behauptet, die Staatsanwaltschaft habe frühere Ermittlungen gegen ihn bereits eingestellt.
Follow the money: Zehn Millionen Euro von Heyer und Mayerhofer sind weg, Kahlbacher ist offiziell pleite. Dennoch fließen angeblich drei Millionen Euro an Investitionen in das Racino-Areal, eine weitere Million soll folgen.
Die andere Sicht: Kahlbacher rechtfertigt das Risiko beim Stadtball damit, dass es „ja nicht gebrannt“ habe und man von den Mängeln nichts wusste. Danny K. nutzt den Wirbel für seine Verteidigung.
Warum das wichtig ist: Die aktuellen Entwicklungen rund um dieses Projekt werfen Fragen auf. Wenn Akteure, über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, weiterhin in Millionenprojekte involviert sind, während gleichzeitig essenzielle behördliche Auflagen – wie der Brandschutz – offenbar nachrangig behandelt werden, besteht erheblicher Erklärungsbedarf. Um einen ehemaligen Innenminister zu zitieren, die Causa hat „some special smell.“
Quellen:

