In drei Zeilen: Thomas Prantner zieht die Reißleine und tritt am 5. Mai 2026 als ORF-Stiftungsrat zurück. Damit kommt er Landeshauptmann Mario Kunasek und der geschlossenen Front der Opposition zuvor. Offiziell will er die Landespolitik nicht belasten, doch interne Akten über Interventionen und Belästigungsvorwürfe machten den Sessel endgültig ungemütlich.
Der Auslöser: Wochenlange mediale Diskussionen und harte Angriffe im steirischen Landtag brachten das Fass zum Überlaufen. Prantner sieht die Vertrauensbasis mit dem Land Steiermark zerstört und will sich nun ganz seiner PR-Agentur widmen.
Wer sagt was:
- In seinem Schreiben an Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) klagt Prantner über „rufschädigende Wortmeldungen gegen meine Person“.
- Die Opposition aus SPÖ, Grünen, Neos und KPÖ ließ hingegen keine Gnade walten. Gemeinsam erklärten sie am Dienstag: „Wer jetzt noch wegschaut, schützt ein System aus Machtmissbrauch und Sexismus“.
Das Sittenbild: Interne Memos und Mails aus Prantners ORF-Zeit zeichnen ein Bild tiefer Verstrickung. Er agierte laut Berichten als direkter Verbindungsmann der FPÖ im Sender und bearbeitete hunderte Interventionen. Besonders düster wiegt der Vorwurf, er habe seiner Stellvertreterin gegenüber „Grenzen überschritten“.
Das große Ganze:
- Prantner war seit Jänner 2025 als Stiftungsrat für die Steiermark tätig.
- Seine Karriere beim ORF startete bereits 1985 und endete vorerst 2021 nach einer Wahlniederlage.
- Die Affäre um sexuelle Belästigung landete sogar vor der ORF-Gleichbehandlungskommission.
Zwischen den Zeilen:
- Die Belästigungsvorwürfe gegen eine Managerin endeten für den ORF erst durch einen gerichtlichen Vergleich auf Schadenersatz.
- Sein plötzlicher Abgang verhindert eine weitere öffentliche Demontage im Landtag.
- Trotz der Vorwürfe blieb er jahrelang in Spitzenpositionen, während das Opfer die Abteilung wechseln musste.
Der Preishammer
- Fakt: Der ORF musste eine Mitarbeiterin entschädigen, weil sie nach den Vorfällen mit Prantner keinen adäquaten Job mehr erhielt.
- Analyse: Während Prantner im Job blieb und später sogar Stiftungsrat wurde, musste das Opfer den Rechtsweg für einen Vergleich gehen.
- Warum wichtig: Es zeigt, wie der ORF intern mauert, während die Zeche am Ende der Beitragszahler blecht.
Follow the money: Prantner konzentriert sich nun auf seine Agentur, die auf strategische Unternehmenskommunikation spezialisiert ist. Der Schadenersatzvergleich des ORF wegen seinem vergangenen Verhalten bleibt ein teurer Nachhall seiner Amtszeit.
Die andere Sicht: Prantner selbst betont seine Verdienste für ein „budgetär, personell und programmlich starkes ORF-Landesstudio Steiermark“. Er sieht sich als Opfer einer parteipolitischen Kampagne, die seine Arbeit als Stiftungsrat unmöglich gemacht habe. Für ihn war sein Wirken stets auf Strukturreformen und die Stärkung der regionalen Berichterstattung ausgerichtet.
Warum das wichtig ist: Ein sauberer ORF braucht Kontrolleure, die nicht selbst Teil des Problems sind. Dass Prantner nun „keine Belastung“ mehr sein will, ist die freundliche Umschreibung dafür, dass er politisch schlicht nicht mehr haltbar war.
Quellen: derstandard.at

