Auf einen Blick: Russland meldet einen der größten ukrainischen Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn, während ballistische Raketen erneut Kiew treffen.
Worum es geht: Russische ballistische Raketen schlugen in Kiew ein. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete Brände in mehreren Stadtteilen und forderte die Bevölkerung auf, in den Schutzräumen zu bleiben. Ein Brand zerstörte große Teile des Petrovka-Büchermarkts im Bezirk Obolon. Sechs Menschen wurden in der Hauptstadt verletzt. Weitere Todesopfer gab es in Krywyj Rih und der Region Sumy.
Die andere Sicht: In der Nacht auf den 16. August 2026 startete die Ukraine nach Angaben russischer Behörden eine großangelegte Drohnenwelle in Richtung der Region Moskau. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, 600 Drohnen seien auf die Hauptstadtregion zugeflogen. Davon seien 201 über dem Gebiet abgeschossen worden. Das russische Verteidigungsministerium sprach später von insgesamt 822 abgeschossenen Drohnen und zusätzlich neun Marschflugkörpern in einem 24-Stunden-Zeitraum. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Wildberries in Flammen: Gouverneur Andrej Worobjow der Region Moskau nannte den Angriff “einen der massivsten Drohnenangriffe der jüngsten Zeit”. Ein Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries in Podolsk südlich von Moskau geriet in Brand. Fotos zeigten ein Feuer an dem rund 200.000 Quadratmeter großen Gebäude. Russische Behörden berichteten von mindestens sechs Toten: fünf in der Region Rostow und einer in der Region Moskau. In Rostow seien zudem 150 anfliegende Drohnen abgeschossen worden.
Die andere Sicht: Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte: “Wo immer die Russen mit ihren ballistischen Raketen hinkommen, schlagen sie auf zivile Infrastruktur ein.” Nach seinen Angaben habe Russland in den vergangenen sieben Tagen mehr als 1.550 Angriffsdrohnen, fast 1.560 gelenkte Fliegerbomben und 62 Raketen – größtenteils ballistische – auf ukrainische Städte und Gemeinden abgefeuert.
- 600 Drohnen flogen laut Sobjanin in Richtung der Region Moskau.
- 201 Drohnen wurden nach Angaben des Bürgermeisters über dem Gebiet abgeschossen.
- Sechs Tote meldeten russische Behörden auf ihrer Seite.
- Patriot-Abfangraketen fehlen der Ukraine in ausreichender Zahl, sodass ballistische Raketen kaum abgefangen werden können.
- Wildberries Lager in Podolsk stand nach dem Angriff in Flammen.
Zwischen den Zeilen: Die Ukraine hat 2026 ihre Fähigkeit zu weitreichenden Drohnen- und Raketenangriffen ausgebaut und kann Ziele in Entfernungen von bis zu 2.400 Kilometern angreifen. Russland setzt seinerseits verstärkt auf ballistische Systeme, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit schwer zu bekämpfen sind. Die Bestände an westlichen Abfangraketen für die ukrainischen Patriot-Systeme sind nach Angaben aus Kiew stark gesunken.
Warum das wichtig ist: Beide Seiten stoßen bei der Luftabwehr an strukturelle Grenzen – die Ukraine bei der Munition für ballistische Bedrohungen, Russland bei der Abwehr massenhafter Drohnenangriffe. Die nächste Phase des Krieges wird von dieser asymmetrischen Erschöpfung geprägt sein.

