Auf einen Blick: Ein unangeschnallter Autounfall entlarvt das dichte Beziehungsgeflecht der slowenischen Präsidentin Nataša Pirc Musar nach Moskau. Während die Welt im Winter 2021 vor der russischen Invasion zitterte, urlaubte die heutige Staatschefin in Russland – an ihrer Seite eine Vertraute mit direkten Verbindungen zu einem untergetauchten Geheimdienstagenten.
Urlaub im Schatten des Krieges
Worum es geht:
- Durch den Verkehrsunfall der slowenischen Präsidentin Nataša Pirc Musar am 31. Juli 2026 geriet ihre enge Freundin und Kegelpartnerin Viktorija Krivolucka plötzlich ins öffentliche Interesse.
- Recherchen von Dnevnik in russischen Datenbanken zeigen, dass Krivolucka und Pirc Musar seit mindestens 2015 mehrfach gemeinsam nach Russland gereist sind – zuletzt im Dezember 2021, nur wenige Wochen vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das Präsidentenbüro bezeichnet diese Reisen als rein private Touristenbesuche mit Familie und Freunden.
Fragwürdige russische Verbindungen
Mehr als ein Zufall: Auffällig ist eine Adresse in Krasnojarsk (Sibirien). Dort war Krivolucka gemeldet und wurde 2010 Prokuristin der Firma „Ruska dača“, die dem Ehemann der Präsidentin, Aleš Musar, gehört. In derselben Wohnung war auch Roman Jeglič (Jahrgang 1951) registriert.
Zwischen den Zeilen: Jeglič war in den frühen 1990er-Jahren ein hochrangiger slowenischer Geheimdienstler. 1988 unterschrieb er als Beamter die Anzeige, die zur Verhaftung von Janez Janša in der JBTZ-Affäre führte. Später wurde er Stellvertreter des VIS-Direktors. 1993 löste er mit einem Brief an Premier Janez Drnovšek die Absetzung seines Chefs Miha Brejc aus – die Vorwürfe erwiesen sich später als erfunden. Danach verschwand Jeglič nach Russland und galt als unauffindbar für die slowenische Justiz.
Das Präsidentenbüro erklärte, Pirc Musar wisse, dass sich Krivolucka und Jeglič kennengelernt hätten, als dieser als Firmenvertreter in Russland arbeitete. Seit über 15 Jahren bestehe kein Kontakt mehr, und die Präsidentin kenne Jeglič persönlich nicht. Krivolucka selbst reagierte nicht auf Anfragen.
Fragwürdige Enthüllung
Warum das wichtig ist: Eine Präsidentin fährt mit einer langjährigen Freundin, die neben der russischen auch die slowenische Staatsbürgerschaft besitzt, und schon wird daraus ein verfassungsrechtliches Drama konstruiert. Peter Jambrek, ehemaliger Verfassungsgerichtspräsident mit klarer Nähe zum Janša-Lager, speist die Medien mit Andeutungen über „nationale Sicherheit“ und „Erscheinungsbild einer Verfassungsverletzung“, nur um anschließend zu beteuern, er bereite gar keine formelle Anklage vor.
Das Muster ist bekannt: Aus einer privaten Freundschaft und einem Verkehrsunfall wird eine Russland-Verbindung gebastelt, die vor allem der innenpolitischen Mobilisierung dient. Die eigentliche Frage – ob hier tatsächlich ein Sicherheitsrisiko vorliegt oder nur opportunistische Skandalisierung – gerät dabei unter die Räder. Wenn schon die bloße Bekanntschaft mit einer Doppelstaatsbürgerin ausreicht, um Absetzungsszenarien in den Raum zu stellen, dann sprechen wir mittlerweile von Kampagnenjournalismus. Daher stellt sich die Frage, welche Rolle die APA in diesem Spiel tatsächlich hat.
Eindruck eines kalkulierten Angriffs: Die Präsidentin soll beschädigt werden, und die russische Herkunft der Freundin liefert den bequemen Aufhänger. Ob das der Staatssicherheit oder eher dem parteipolitischen Interesse dient, darf man mit gutem Grund bezweifeln.

