In drei Sätzen: In der britischen Industriestadt Manchester verlor Premierminister Keir Starmer die langjährige Labour-Hochburg Gorton und Denton überraschend an die linke Green Party. Die Grünen sicherten sich mit 40,7 Prozent der Stimmen ihr erstes Mandat bei einer Nachwahl im Norden Englands, während Labour gedemütigt auf den dritten Platz zurückfiel. Dieses Ergebnis markiert einen historischen Wendepunkt in der bisherigen Dominanz des britischen Zwei-Parteien-Systems.
Der Auslöser: Die Nachwahl wurde durch den gesundheitsbedingten Rücktritt des Abgeordneten Andrew Gwynne in einem Gebiet notwendig, das Labour fast ein Jahrhundert lang politisch dominiert hatte.
Wer sagt was: Die Parteivorsitzende der Labour Party, Anna Turley, bezeichnete das Wahlergebnis kurz und knapp als „eindeutig enttäuschend“. Der renommierte Wahlforscher John Curtice sprach hingegen von einem „seismischen Moment“, der die Zukunft der britischen Politik so ungewiss wie nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mache. Nigel Farage, dessen Reform UK den zweiten Platz belegte, kritisierte das Resultat scharf.
Das Sittenbild: Das traditionelle politische Gefüge Großbritanniens bricht zunehmend auseinander, da Wähler ihre Loyalität gegenüber den etablierten Großparteien verlieren und sich verstärkt Aufsteiger-Parteien zuwenden. Starmer steht unter enormem Druck, da er persönlich in den Wahlkampf eingriff und Rivalen blockierte, was die Schwere dieser Niederlage für seine weitere Amtsführung und die kommenden Regionalwahlen im Mai drastisch verschärft.
Zwischen den Zeilen
- Die Green Party hält nun insgesamt fünf von 650 Sitzen im britischen Unterhaus.
- Labour stürzte von über 50 Prozent bei der letzten Wahl auf nur noch 25,4 Prozent ab.
- Starmer verhinderte die Kandidatur des populären Bürgermeisters Andy Burnham, um eigene Interessen durchzusetzen.
- Die Grünen fordern unter anderem den Austritt aus der NATO und die Legalisierung von Drogen.
Follow the money: Die wirtschaftliche Lage unter der Labour-Regierung wird durch schleppendes Wachstum und sinkendes Vertrauen der Wähler in die Finanzpolitik der aktuellen Führung geprägt.
Die andere Sicht: Der Reform-UK-Kandidat Matt Goodwin stieß bei der lokalen Bevölkerung auf erheblichen Widerstand. Seine früheren Äußerungen, wonach Millionen britischer Muslime den Werten des Landes fundamental entgegenstünden, drängte viele Wähler zu den Grünen.
Warum das wichtig ist: Diese Niederlage ist kein lokaler Einzelfall, sondern ein Symptom für die tiefe Krise der Regierung Starmer nach zahlreichen Skandalen. Sollte Labour bei den Regionalwahlen im Mai in Wales und Schottland ähnlich schlecht abschneiden, droht dem Premierminister eine offene Revolte.
Quellen: reuters.com
