In drei Sätzen: Finanzminister Marterbauer hat die parlamentarische Anfrage zu den Kosten internationaler Organisationen beantwortet. Statt einer kompletten Liste aller Mitgliedschaften und möglicher Einsparungen verweist er nur auf allgemeine Budgetbeilagen und lehnt Kürzungen ab. Damit fließen weiter Hunderttausende Euro Steuergelder in Organisationen, deren konkreter Mehrwert für Österreichs Bürger nur schwer erkennbar ist.
Der Auslöser: Die FPÖ-Abgeordneten hatten bereits am 22. Jänner 2026 konkrete Fragen zu Kosten, Beitrittsjahren und möglichen Einsparungen gestellt. Marterbauer antwortete ausweichend und listete lediglich die Finanzinstitutionen in seinem Ressort auf. Er verteidigte die Zahlungen mit dem Hinweis auf Frieden und Entwicklung.
Wer sagt was:
- „Ein jährlicher Mitgliedbeitrag ist nicht vorgesehen“, schreibt der Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) zu den Entwicklungsbanken.
- „Die Höhe der Beitragszahlungen wird jährlich nach einem festen Schlüssel festgelegt und kann nicht für einzelne Mitgliedsstaaten reduziert werden“, erklärt er bei der Weltzollorganisation.
- Und im Allgemeinen heißt es: „Es darf festgehalten werden, dass internationale Organisationen zum Erhalt von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung beitragen.“
Das Sittenbild: Österreich bleibt in Dutzenden teuren Organisationen verankert, zahlt jährlich Hunderttausende Euro und sieht keinen Grund zur Reduktion der Mitgliedschaften.
Das große Ganze: Österreich ist Mitglied in einer Vielzahl internationaler Organisationen und Finanzinstitutionen. Die Beantwortung der parlamentarischen Anfrage durch Finanzminister Markus Marterbauer liefert jedoch keine vollständige Liste aller Mitgliedschaften. Stattdessen beschränkt sich der Minister auf seinen eigenen Ressortbereich und nennt konkret folgende Institutionen.
- Afrikanische Entwicklungsbank seit 1983 mit einem Kapitalanteil von 0,40 Prozent.
- Asiatische Entwicklungsbank seit 1966 mit einem Kapitalanteil von 0,34 Prozent.
- Asiatische Infrastruktur Investitionsbank seit 2015 mit einem Kapitalanteil von 0,51 Prozent.
- Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung seit 1991 mit einem Kapitalanteil von 2,51 Prozent.
- Europäische Investitionsbank seit 1995 mit einem Kapitalanteil von 2,6 Prozent.
- Interamerikanische Entwicklungsbank seit 1977 mit einem Kapitalanteil von 0,161 Prozent.
- Weltbank seit 1948 mit einem Kapitalanteil von 0,68 Prozent.
- Europäischer Stabilitätsmechanismus seit 2012 mit einem Kapitalanteil von 2,74 Prozent.
- Internationaler Währungsfonds seit 1948 mit einem Kapitalanteil von 0,83 Prozent.
- Weltzollorganisation seit 1953 als Gründungsmitglied.
- Weltbergbaukongresse seit 1958 als Gründungsmitglied.
Zwischen den Zeilen:
- Österreich zahlt für die Mitgliedschaft bei der Weltzollorganisation im Geschäftsjahr 2025/2026 genau 86.291,16 Euro.
- Der Weltbergbaukongress kostet Österreich seit dem Jahr 2009 unverändert 250 US-Dollar pro Jahr.
- Für das Tabakprotokoll der WHO waren 106.351 US-Dollar in den Jahren 2024-2025 vorgesehen.
- Für das Jahr 2026 beträgt der österreichische Beitrag zum Tabakprotokoll der WHO 53.325 US-Dollar.
Follow the money: Die genannten Beiträge summieren sich auf Hunderttausende Euro jährlich, zusätzlich zu den Kapitalanteilen an Entwicklungsbanken, die jederzeit Nachschüsse verlangen können. Das Geld kommt direkt aus dem Bundesbudget und damit aus Steuergeldern der Bürger.
Die andere Sicht: Der Minister betont die strategische Bedeutung der Organisationen für Österreichs Exportwirtschaft und die Rolle Wiens als UN-Sitz. Er verweist auf die WIFO-Studie mit 1,7 Milliarden Euro Wertschöpfungseffekt, 785 Millionen Euro öffentlichen Einnahmen und 20.000 gesicherten Arbeitsplätzen.
Warum das wichtig ist: Während Pensionisten und Normalverdiener die Teuerung spüren, fließt das Steuergeld weiter in ferne Clubs und Organisation. Typisch Elite: Multilateralismus mit unserem Geld.
Quellen:
