In drei Zeilen: Die Wiener Staatsanwaltschaft nimmt das System ORF ins Visier und prüft einen Anfangsverdacht gegen Ex-General Alexander Wrabetz und Manager Pius Strobl. Im Kern geht es um mutmaßlich verschleierte Millionen-Pensionszusagen, die erst nach Amtsübergabe auftauchten. Ein Sittenbild der Sonderklasse.
Der Auslöser: Ein brisantes Gutachten aus dem Jahr 2023 und eine Anzeige von Roland Weißmann brachten den Stein ins Rollen. Die Justiz prüft nun offiziell einen Anfangsverdacht wegen Untreue gegen Wrabetz und Strobl. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Wer sagt was:
- „Dass die Justiz hier nun aktiv wird, ist erfreulich“, poltert FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker und spricht von einem „Selbstbedienungsladen“.
- Wrabetz lässt ausrichten, ihm sei „kein solches Verfahren bekannt“. Die Staatsanwaltschaft bestätigt hingegen staubtrocken die Prüfung des Anfangsverdachts.
Das Sittenbild: Am 31. Dezember 2021, buchstäblich in den letzten Stunden seiner Amtszeit, soll Wrabetz seinem Nachfolger erstmals von Strobls Pensionszusagen erzählt haben. Die schriftlichen Verträge lieferte er laut Gutachten erst eine Woche nach seinem Abgang nach. Im offiziellen Personalakt suchte man diese Dokumente zuvor vergeblich.
System gönnt sich:
- Fakt: Pius Strobl steigerte seine Bezüge von 220.000 Euro im Jahr 2008 auf satte 469.000 Euro im Jahr 2025.
- Analyse: Während der Beitragszahler die Haushaltsabgabe blecht, werden intern „verschleierte“ Millionen-Rückstellungen für die Pension gebildet.
- Warum wichtig: Es zeigt, wie flexibel die Gehaltsskala nach oben ist, wenn die richtigen Leute die Verträge unterschreiben.
Das große Ganze: Der Fall Strobl ist kein Einzelschicksal, sondern Symptom einer tiefen Krise am Küniglberg.
- Pensionsansprüche von insgesamt über einer Million Euro stehen im Raum.
- Rückstellungen für Pensionen belaufen sich laut Kritikern sogar auf 2,4 Millionen Euro.
- Die Verträge stammen teilweise bereits aus dem Jahr 2010.
Zwischen den Zeilen:
- Ein Gutachten wirft Wrabetz vor, beim Abschluss der Zusagen nicht im Interesse des ORF gehandelt zu haben.
- Die Justiz muss nun klären, ob durch eine Sondervereinbarung aus 2021 die Verjährung umgangen wurde.
Follow the money: Strobls Karriereweg in Zahlen: 250.000 Euro Beraterhonorar hier, 65.000 Euro Sonderbonus da. Im Jahr 2025 belief sich sein Gehalt auf 468.856,32 Euro.
Die andere Sicht: Aktuell werden alle Vorwürfe strikt zurückgewiesen. Man habe stets korrekt gehandelt und die Pensionszusagen seien rechtmäßig erfolgt. Der ORF-Chef Weißmann wollte den Gerichtsstreit eigentlich erst zum Pensionsantritt 2026 austragen.
Warum das wichtig ist: Das Bild, das der ORF hier abgibt, ist verheerend. Am Ende zahlen die Beitragszahler für eine Struktur, die Sparen predigt und gleichzeitig Spitzengehälter bis fast eine halbe Million Euro rechtfertigt.
Quellen:

