Die Vereinigten Staaten degradieren das internationale Seerecht zur unverbindlichen Empfehlung und entern einen russischen Tanker vor Island. Was Washington als Durchsetzung von Sanktionen verkauft, ist in Wahrheit eine militärische Machtdemonstration erster Güte. Für den Bürger bedeutet das: Die Zeiten diplomatischer Noten sind vorbei, jetzt sprechen wieder Hubschrauber und U-Boote.
Aktueller Anlass: US-Spezialkräfte haben im Nordatlantik den russischen Öltanker „Marinera“ (Bella 1) gestürmt und unter ihre Kontrolle gebracht.
Wer sagt was:
- US-Verteidigungsminister Pete Hegseth: „Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt in voller Wirkung, überall auf der Welt.“
- Russisches Außenministerium: Das Vorgehen sei „anormal“ und verletze das Recht auf freie Schifffahrt.
Hintergrund: Der Zugriff ist keine spontane Tat, sondern das Finale einer zweiwöchigen Verfolgungsjagd. Der Tanker versuchte, eine US-Blockade vor Venezuela zu durchbrechen. Pikant ist die Eskalationsstufe: Das Schiff wurde mittlerweile unter russischer Flagge registriert und von einem russischen U-Boot sowie einem Kriegsschiff eskortiert.
Im Detail:
- Washington überließ nichts dem Zufall und fuhr schweres Gerät auf. Neben Schiffen der Küstenwache kamen P-8 Poseidon „U-Boot-Jäger“ und AC-130J Transportflugzeuge zum Einsatz, um den Zugriff aus der Luft zu erzwingen.
- Dass sich russische Militäreinheiten in unmittelbarer Nähe befanden, hinderte die Amerikaner nicht daran, Tatsachen zu schaffen.
- Die Aktion reiht sich nahtlos in die Außenpolitik unter Donald Trump ein, dessen Truppen erst vor wenigen Tagen Nicolás Maduro in Caracas festsetzten.
Was zu tun ist: Europa muss dringend klären, wie es sich positioniert, wenn NATO-Partner in internationalen Gewässern Schiffe kapern, die von Atommächten beschützt werden.
Warum das wichtig ist: Dieser Vorfall demonstriert das neue Primat der Stärke. Völkerrechtliche Feinheiten weichen der simplen Logik militärischer Machbarkeit. Wenn die USA einen russischen Tanker trotz militärischer Eskorte entern, signalisieren sie Moskau unmissverständlich: Eure Schutzgarantien sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Das ist keine Strafverfolgung mehr – das ist Geopolitik mit dem Brecheisen.


