In drei Sätzen: Ein IT-Spezialist der Tisza-Partei von Péter Magyar gibt in einer Aufnahme zu, dass er unwissentlich in ein Rekrutierungsschema des ukrainischen Geheimdienstes geraten ist. Die ungarische Regierung veröffentlichte das Material kurz vor der Parlamentswahl und sieht darin Belege für eine Einmischung aus Kiew. Balázs Orbán, politischer Direktor von Viktor Orbán, spricht von wachsenden Hinweisen auf Netzwerke um Selenskyj, die Magyar unterstützen sollen.
Der Auslöser: Die National Security Committee deklassifizierte Teile eines Berichts und eine Audioaufnahme. Darin reflektiert der IT-Spezialist über seine Kontakte und kommt zum Schluss, dass es sich um Vorbereitung für eine spätere Operation handelte. Sein Kontakt war mit einer ukrainischen Stelle für Cyber-Verteidigung verbunden.
Wer sagt was:
- „Ich habe viel darüber nachgedacht … und leider neige ich zu der Schlussfolgerung, dass das eine Art Rekrutierung war, um mich auf eine spätere Operation vorzubereiten.“ So äußert sich der Tisza-IT-Spezialist in der Aufnahme gegenüber Ermittlern.
- Balázs Orbán schreibt auf X: „Das Bild wird immer klarer: Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass Netzwerke im Umfeld von Wolodymyr Selenskyj in die ungarischen Angelegenheiten eingreifen und Péter Magyar unterstützen, um Viktor Orbán und die patriotischen Kräfte aus der Macht zu entfernen.“
- Viktor Orbán fordert Selenskyj auf, „seine Agenten sofort abzuziehen“, und erklärt, Ungarn sei zum „Einsatzgebiet des ukrainischen Geheimdienstes“ geworden.
Das Sittenbild: Die Vorwürfe belasten die Tisza-Partei, die in Umfragen vor Fidesz liegt. Die Regierung nutzt sie, um die Opposition als fremdgesteuert darzustellen. Gleichzeitig schwächt das die Glaubwürdigkeit der Wahl und lenkt von inneren Problemen ab.
Das große Ganze: Der Skandal passt in eine Serie von Spannungen. Ungarn beschlagnahmte kürzlich Bargeld und Gold einer ukrainischen Staatsbank im Wert von rund 82 Millionen Dollar. Die Regierung prüft Verbindungen zur Opposition. Kritiker sehen darin Wahlkampfmanöver.
Zwischen den Zeilen:
- Der IT-Spezialist erwähnt regelmäßige Kontakte zur ukrainischen Botschaft in Budapest.
- Die deklassifizierten Unterlagen nennen Verbindungen zur ukrainischen IT Army und Versuche, Spyware zu beschaffen.
- Ein weiterer Spezialist stand bereits wegen IT-Missbrauchs in der Kritik.
- Die Regierung spricht von „ukrainischen Spionen“, die sich unter dem Deckmantel von IT-Leuten in der Tisza-Partei bewegen.
- Parallel laufen Ermittlungen zu Abhörversuchen gegen ungarische Politiker.
Follow the money: Ungarische Behörden halten weiterhin rund 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold der Oschadbank zurück. Die Regierung untersucht, ob Teile dieser Mittel in den Tisza-Wahlkampf geflossen sein könnten. Die genaue Summe und der Verwendungszweck bleiben Gegenstand der laufenden Prüfung.
Die andere Sicht: Die ukrainische Seite weist alle Vorwürfe als „Kreml-Propaganda“ zurück. Péter Magyar und die Tisza-Partei sprechen von einem „Orban-Gate“ und werfen der Regierung vor, eigene Geheimdienste gegen die Opposition einzusetzen. Westliche Medien wie Kyiv Independent sehen die Enthüllungen vor allem als Versuch Orbáns, von einem heimischen Skandal abzulenken.
Warum das wichtig ist: In nur zwei Wochen entscheiden die Ungarn über ihre nächste Regierung. Die Eskalation zwischen Budapest und Kiew zeigt, wie der Ukraine-Krieg längst den Wahlkampf in einem EU-Land bestimmt. Am Ende siegt meist der, der die Angst am besten verkauft, nicht unbedingt die saubersten Belege.
Quellen:
