Vom Staatsschutz zum Supermarkt

Ex-Nachrichtendienstchef Haijawi-Pirchner berät nun Lebensmittelriesen SPAR.

Omar Haijawi-Pirchner- Isabelle Ouvrard - Sepa Media - Runway FoB AI

In drei Sätzen: Der ehemalige Direktor der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Omar Haijawi-Pirchner, wechselte nach seinem vorzeitigen Rückzug aus dem Staatsdienst unmittelbar in die Privatwirtschaft. Die Jubelmeldung offenbart die durchlässigen Schnittstellen zwischen höchster staatlicher Sicherheitsarchitektur und privaten Konzerninteressen, wodurch sensibles Know-how zur Ware wird. Die Konsequenz ist ein Sittenbild, in dem staatliche Schlüsselpositionen als Karrieresprungbrett ohne Abkühlphase für exklusive Beratungsverträge dienen.

Der Auslöser: Ein Jahr vor dem regulären Ende seines Vertrages quittierte Haijawi-Pirchner überraschend den Dienst an der Spitze des österreichischen Staatsschutzes, offiziell aus privaten Gründen. Der prompte Fang eines „großen Fisches“ wie SPAR als Erstkunde seiner neuen Firma öffnet Türen zu einer exklusiven Sicherheitsberatung.

Wer sagt was:

  • Hans Reisch (Vorstandsvorsitzender, SPAR) hält fest: „Es freut mich sehr, dass Omar Haijawi-Pirchner uns zukünftig dabei unterstützt, dieses hohe Sicherheitsniveau bei SPAR nachhaltig weiterzuentwickeln.“
  • Omar Haijawi-Pirchner (Ex-DSN-Chef und nun Berater) ergänzt: „Mein Ziel ist es, gemeinsam mit den SPAR-Mitarbeitenden Sicherheit erlebbar zu machen.“

Das Sittenbild: Das Systemversagen zeigt sich in der fehlenden Abkühlphase für Spitzenbeamte, die nahtlos vom Zugriff auf Staatsgeheimnisse in die Dienste privater Akteure treten.

Zwischen den Zeilen:

  • Die Beratung umfasst explizit die Widerstandsfähigkeit gegen Cyber-Bedrohungen, ein Feld, in dem Haijawi-Pirchner durch seine Zeit beim DSN über Insider-Wissen verfügt.
  • SPAR betont die Rolle als größter heimischer Nahversorger, um die Notwendigkeit dieser hochkarätigen Personalie moralisch zu unterfüttern.

Follow the money: Die wirtschaftliche Größenordnung der Kooperation mit dem Lebensmittelhändler bleibt unter Verschluss, doch die Beratungsleistung zielt auf die Absicherung von Shopping-Centern und Cyber-Infrastruktur ab.

Die andere Sicht: In einer schriftlichen Stellungnahme wird der Wechsel als logischer Schritt in die Selbstständigkeit dargestellt, wobei die Akteure die Wahrung der Diskretion betonen. Die Gegenseite nimmt für sich in Anspruch, lediglich die Expertise eines Fachmanns für die Sicherheit der Kunden zu nutzen, und blendet dabei die politische Brisanz des schnellen Wechsels konsequent aus.

Warum das wichtig ist: Dieser Fall dokumentiert die Erosion der Trennlinie zwischen öffentlichem Auftrag und privatem Profitstreben. Wenn der oberste Staatsschützer zum privaten Sicherheitschef mutiert, verkommt staatliche Autorität zur Handelsware.

Quellen:

Share This Article
Keine Kommentare