In drei Sätzen: Nur vier Tage vor den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag in Österreichs Nachbarland hat Judit Varga, ehemalige ungarische Justizministerin und Ex-Ehefrau des Tisza-Parteivorsitzenden Péter Magyar, in ihren nun veröffentlichten Memoiren („16 Jahre mit einem Monster“) schwere Anschuldigungen gegen ihren ehemaligen Ehemann erhoben. Varga behauptet, Magyar habe den kleinen Familienhund in der Mikrowelle getötet und sich – teilweise unter Alkoholeinfluss – vor den gemeinsamen Kindern absolut falsch verhalten, es steht sogar ein strafrechtlich relevanter Vorwurf im Raum. Diese Beschuldigungen sind in dem ohnehin schon emotional aufgeladenen Wahlkampf in Ungarn der bisherige Tiefpunkt.
Der Auslöser: Péter Magyar, der früher als Insider des Fidesz-Systems galt und mit Judit Varga verheiratet war, hat sich seit 2024 zu einem prominenten Kritiker der Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán entwickelt. Seine Tisza-Partei liegt in manchen Umfragen vorne und könnte die Fortsetzung der seit 2010 bestehende Regierung Orbáns gefährden.
Das große Ganze: Judit Varga hatte Magyar bereits 2024 Erpressung, häusliche Gewalt und emotionalen Missbrauch vorgeworfen – Vorwürfe, die sie in ihren Memoiren nun offenbar konkretisiert. Die neuen Anschuldigungen sind besonders extrem, unabhängige ungarische Medien wie Telex oder HVG haben die spezifischen Behauptungen zu dem Hund und dem Verhalten vor den Kindern bislang nicht ausführlich behandelt. Regierungsnahe Portale wie magyarhirek24.com berichten hingegen detailliert darüber. Péter Magyar selbst hat auf diese konkreten neuen Vorwürfe bislang nicht reagiert, es gilt die Unschuldsvermutung.
Wer sagt was:
- Judit Varga (Ex-Justizministerin Ungarns und frühere Ehefrau Magyars): „Sehr oft trank er sich in einen völlig bewusstlosen Zustand. Dann kam sein wahres tierisches Wesen zum Vorschein. Er war kein Mensch mehr, sondern verwandelte sich in ein urtümliches, unkontrollierbares und gefährliches Wesen.“
- magyarhirek24.com (ungarische News-Website, pro Orbán) zitiert aus den Memoiren: „Der Höhepunkt der in dem Buch beschriebenen Schrecken ereignete sich laut Varga im März 2023. Während eines Trinkgelages habe Magyar in einem betrunkenen Wutanfall einen der beiden Magyarvizsla-Welpen, die die Familie zwei Monate zuvor aufgenommen hatte, gepackt und in die Mikrowelle gesteckt. Das Tier sei unter schrecklichen Qualen gestorben. Im Buch ist ein schockierendes Foto des toten Welpen im Inneren der Mikrowelle abgedruckt. ,Ich stand in der Küchentür und war vor Entsetzen wie gelähmt. Die Kinder schrien so laut.´, erinnert sich Varga.“
Das Sittenbild: In Ungarn finden am Sonntag, 12. April, die Parlamentswahlen statt – die zehnte freie Wahl des Landes seit 1990, bei der 199 Abgeordnete ins Parlament gewählt werden. Die Hauptkandidaten sind die seit 16 Jahren regierende Koalition aus Fidesz und KDNP unter Ministerpräsident Viktor Orbán sowie die oppositionelle Tisza-Partei unter Péter Magyar.
Warum das wichtig ist: Beide Kandidaten sparten nicht mit massiven Vorwürfen gegen den Mitbewerber – Magyar warf Orbán Korruption und Misswirtschaft vor, die Konter fielen ebenfalls heftig aus. Immer wieder betonte Orbán, dass die Wahl auch von der Ukraine und möglicherweise auch von der EU-Spitze beeinflusst werde. Die Veröffentlichung des neuen Buchs von Judit Varga kurz vor dem Wahl-Sonntag zeigen auch, dass beide Seiten in diesem Wahlkampf bis zum Äußersten gehen.
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