In drei Sätzen: Brian Y. Shirazi und Nida Samson haben Meta Platforms, WhatsApp sowie Accenture verklagt. Die Sammelklage wurde Ende März 2026 im US-Bezirksgericht Northern District of California eingereicht. Die Kläger werfen den Unternehmen vor, trotz Werbeversprechen von echter End-to-End-Verschlüsselung private Nachrichten von Nutzern abzufangen, zu lesen und zu speichern.
Der Auslöser: Ein viraler X-Post von DogeDesigner am 9. April 2026 machte die frische Class-Action-Klage bekannt. Der Beitrag verbreitete einen Screenshot des Artikels von topclassactions.com. Damit flammt die Debatte über die angebliche Privatsphäre bei WhatsApp neu auf.
Wer sagt was:
- Die Kläger erklären in der Klageschrift: „Nirgends offenbart WhatsApp, dass es selbst, Meta, ihre jeweiligen Mitarbeiter, Accenture-Contractoren und/oder Dritte die Inhalte aller Nachrichten lesen, darauf zugreifen oder einsehen dürfen, die Nutzer über WhatsApp versenden.“
- Meta weist alle Vorwürfe kategorisch zurück und erklärt: „Jede Behauptung, dass die WhatsApp-Nachrichten der Menschen nicht verschlüsselt sind, ist kategorisch falsch und absurd.“
- Das Unternehmen betont, dass WhatsApp seit über zehn Jahren das Signal-Protokoll für echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einsetzt.
Das Sittenbild: Millionen Nutzer teilen täglich intime Inhalte über WhatsApp, weil sie auf die starken Datenschutzversprechen vertrauen. Gleichzeitig soll ein Backdoor im Quellcode Mitarbeitern und Dritten einen Zugriff ermöglichen. Das schafft ein massives Vertrauensproblem bei einer der beliebtesten Messenger-Apps der Welt.
Das große Ganze: Die neue Klage baut auf einer internationalen Sammelklage aus Januar 2026 auf. Damals berichteten Whistleblower von ähnlichen internen Zugriffsmöglichkeiten. US-Behörden untersuchten die Vorwürfe bereits, ohne bisher technische Beweise vorzulegen.
Zwischen den Zeilen:
- Die Klage behauptet, der Zugriff diene vor allem der Betrugsbekämpfung und der Durchsetzung von Unternehmensrichtlinien.
- Accenture-Contractoren sollen weltweit Hunderte Reviewer einsetzen, die Nachrichten ohne Einwilligung der Nutzer einsehen können.
- Betroffen sind potenziell alle US-Nutzer seit April 2016, die Nachrichten über WhatsApp gesendet oder empfangen haben.
- WhatsApp wirbt seit Jahren aggressiv mit dem Slogan, dass nur Sender und Empfänger die Inhalte lesen können.
Follow the money: WhatsApp zählt über zwei Milliarden monatlich aktive Nutzer und dient Meta als strategischer Eckpfeiler im Konzern. Der Mutterkonzern verdient Milliarden an personalisierter Werbung und Nutzerdaten über das gesamte Ökosystem, während echter Datenschutz dieses Geschäftsmodell bedrohen könnte.
Die andere Sicht: Meta bestreitet jeglichen Verstoß gegen die Verschlüsselung und bezeichnet beide Klagen als grundlos und frivol. Das Unternehmen erklärt, dass die angeblichen Zugänge technisch nicht die echte End-to-End-Verschlüsselung brechen würden.
Warum das wichtig ist: Die Vorwürfe erschüttern das Vertrauen in einen der meistgenutzten Messenger weltweit. Am Ende bleibt der bittere Nachgeschmack, dass bei Big Tech oft das Geschäft über die versprochene Privatsphäre steht.
Quellen:
