Widerstand gegen Wiederkehr wächst

KI statt Latein zerstört Österreichs geistige Substanz und Kultur.

Christoph Wiederkehr - Sepa Media - Michael Indra - Runway FoB AI
Redaktion

In drei Sätzen: Man fragt sich ernsthaft, wie Bildungsminister Wiederkehr darauf kommt, dass man die Welt allein mit Algorithmen erobern kann. Während er die Jugend mit zusätzlichen KI-Einheiten beglückt, streicht er die zweite Fremdsprache. Die Konsequenz ist ein Aufschrei der Sprachwissenschaftler, die warnen, dass Österreich beim Sprachenlernen ohnehin schon das Schlusslicht bildet.

Der Anlass: Nach dem bereits fragwürdigen Vorstoß, Latein zugunsten der glorreichen Künstlichen Intelligenz zu beschneiden, legt Christoph Wiederkehr (NEOS) nun nach: Auch die zweite lebende Fremdsprache soll weichen.

Wer sagt was:

  • Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) plant, ab dem Schuljahr 2027/28 die Stunden für Informatik und KI aufzustocken und das Fach „Medien und Demokratie“ neu einzuführen, während Latein und zweite lebende Fremdsprachen gekürzt werden sollen.
  • Als Reaktion darauf starteten Katrin Schmiderer und Eva Maria Hirzinger-Unterrainer vom Institut für Fachdidaktik der Universität Innsbruck einen offenen Brief: „Wir erwarten uns, dass der Minister unsere Bedenken und Argumente in seinen weiteren Überlegungen berücksichtigt.“

Die Doppelmoral:

  • Während die Elite ihren Nachwuchs wohl auf Privatschulen schickt, wo Mehrsprachigkeit als wertvolles Gut und nicht als lästige Pflicht gilt, wird der breiten Masse der Zugang zu globaler Bildung erschwert.
  • Minister Wiederkehr, der stets von Innovation spricht, kürzt genau dort, wo kritisches Denken und kulturelle Empathie gefördert werden.

Zwischen den Zeilen:

  • Wozu sich mit den Feinheiten einer fremden Kultur plagen, wenn bald eine App die Übersetzung übernimmt?
  • Die Wahrheit ist: Wer Sprachen streicht, kappt den Zugang zu anderen Denkweisen und einer umfassenden Demokratiebildung, die über das bloße Klicken hinausgeht.

Go Deeper: Schmiderer und Maria Hirzinger-Unterrainer sind keine Einzelkämpfer, sondern Teil eines etablierten akademischen Netzwerks, das die Brisanz der Kürzungen erkennt. Der breite Rückhalt von über 320 Wissenschaftlern und Lehrern beweist, dass es sich hier nicht um Nischenkritik handelt, sondern um fundamentalen Widerstand der Fachwelt.

Warum das wichtig ist: Diese Maßnahmen sind mehr als bloße Kosmetik am Stundenplan, sondern ein frontaler Angriff auf die geistige Flexibilität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit künftiger Generationen. Während Europa von Vielsprachigkeit träumt, mauert sich Österreich als einsprachige Insel ein, die lieber mit Maschinen als mit Menschen kommuniziert. Das ist kein Fortschritt, das ist intellektuelle Verarmung.

Quelle: vienna.at

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