In drei Sätzen: Zum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2026 bleibt eine diplomatische Einigung in weiter Ferne. Die ukrainische Armee steht an den Fronten in Donezk und Saporischschja unter extrem starkem militärischem Druck und erleidet hohe Verluste, während Vertreter beider Seiten unter US-Vermittlung erste Friedensgespräche führen, die derzeit festgefahren sind. Die humanitäre Lage hat sich durch Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur bei extremen Minustemperaturen weiter verschlechtert und führt zu flächendeckenden Versorgungsausfällen.
Der Auslöser: Der vierte Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine markiert einen kritischen Wendepunkt, an dem das geplante 20. EU-Sanktionspaket am Einstimmigkeitsprinzip der EU scheitert.
Hintergrund: Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen hatte das Paket Anfang Februar 2026 vorgestellt. Es sollte als 20. Sanktionsrunde seit Kriegsbeginn wirken und Russlands verbliebene Einnahmequellen – vor allem im Energiebereich – weiter einschränken. Zu den Kernmaßnahmen gehörten ein Verbot maritimer Dienstleistungen für Tanker der russischen Schattenflotte sowie zusätzliche Restriktionen bei Finanzdienstleistungen, Kryptowährungen und Exporten von Gütern.
Wer sagt was:
- Die außenpolitische SPÖ-Sprecherin Petra Bayr sagt: „Der Angriffskrieg begann mit der Entscheidung des Kremls und von Putin. Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind Massengräber, zerstörte Städte, Millionen von auseinandergerissenen Familien.“
- „Die systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur ist zu einem grausamen Markenzeichen dieses Krieges geworden. Kraftwerke, Stromnetze, Heizwerke und Wasserleitungen werden gezielt bombardiert“, hält Meri Disoski, außenpolitische Sprecherin der Grünen, fest.
Das Sittenbild: Die Ukraine agiert in einem Zermürbungskrieg, in dem westliche Waffenlieferungen quantitativ hinter den Erwartungen zurückbleiben. Innenpolitisch geschwächt durch Korruptionsskandale und unter massivem Druck der neuen US-Administration, muss Kiew zwischen Gebietsabtretungen und vagen Sicherheitsgarantien lavieren. Währenddessen operiert Russland durch die Einbindung nordkoreanischer Soldaten und betrogener afrikanische Söldner.
Zwischen den Zeilen:
- Die Abschaltung der Starlink-Satellitenkommunikation für Russland verschaffte der ukrainischen Armee zuletzt taktische Vorteile bei der Rückgewinnung von Boden.
- Trotz eines internationalen Haftbefehls wegen der Deportation ukrainischer Kinder demonstrierte Putin durch Treffen in Alaska seine internationale Handlungsfähigkeit.
- Ein geplanter Deal über den Zugriff der USA auf ukrainische Rohstoffe und seltene Erden platzte zunächst nach einem Eklat zwischen Trump und Selenskyj.
- Die ukrainische Strategie setzt verstärkt auf Drohnenangriffe gegen russische Ölraffinerien und Militärflughäfen, um die russische Logistik empfindlich zu stören.
Follow the money: Ein zentraler wirtschaftlicher Faktor ist das Abkommen über den Zugriff auf ukrainische Rohstoffe, insbesondere seltene Erden, das trotz anfänglicher Differenzen zwischen Washington und Kiew unterzeichnet wurde. Zudem steht die Finanzierung des Wiederaufbaus sowie die wirtschaftliche Integration im Raum, da Selenskyj einen EU-Beitritt für das Jahr 2027 anstrebt.
Die andere Sicht:
- Donald Trump stellte sich dem ukrainischen Präsidenten öffentlich mit folgenden Worten entgegen: „Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg“.
- Ungarn fungiert innerhalb der EU als diplomatischer Gegenspieler und verhindert durch sein Veto die Einstimmigkeit für das 20. Sanktionspaket.
Gedenken zum 4. Jahrestag: In Wien findet heute ein Gedenkevent im Stephansdom statt. Im Mittelpunkt stehen die Opfer des Krieges.
- Wer: Organisiert vom Zentrum für Ukrainische Initiativen mit Unterstützung der Ukrainischen Botschaft und der Vienna Insurance Group.
- Wann: Ein ökumenischer Gottesdienst (14:30 Uhr), gefolgt von einem musikalischen Requiem des Kammerchors „Sofia“ (15:00 Uhr).
Go Deeper: Hintergründe und weitere Berichte:
- Putins eiskalte Strategie
- Russlands globale Lügenfabrik
- Gewesslers Spenden-Buddy verhaftet
- Österreicher gegen Ukrainehilfe
Warum das wichtig ist: Die aktuelle Pattsituation zeigt, dass eine militärische Rückeroberung besetzter Gebiete ohne erheblich verstärkte westliche Unterstützung schwierig bleibt. Angesichts der hohen zivilen Opferzahlen und der anhaltenden Zerstörung ziviler Infrastruktur gilt weiterhin George Santayanas Satz: „Nur die Toten kannten das Ende des Krieges“.
Quellen:
