In drei Sätzen: Das ZDF sieht sich nach der Verwendung von nicht gekennzeichneten, KI-generierten Bildern in einem Beitrag über die US-Migrationsbehörde ICE mit massiver Kritik konfrontiert. Chefredakteurin Bettina Schausten räumte am 26. Februar 2026 während einer internen Betriebsversammlung in Mainz ein, dass die Ausstrahlung des Materials ein schwerer Fehler war. Die Causa sorgt nun sowohl intern in der Belegschaft als auch extern für erhebliche Debatten über journalistische Qualitätsstandards und die Aufarbeitung des Vorfalls.
Der Auslöser: Der aktuelle Anlass ist die Veröffentlichung von Tonmitschnitten einer ZDF-Betriebsversammlung durch das Medium Nius, die tiefe Risse innerhalb der Redaktion und Kritik an der Kommunikation der Senderspitze dokumentieren.
Wer sagt was: Bettina Schausten betonte, dass die Korrespondentin Nicola Albrecht die Verantwortung tragen müsse: „Der Grund für ihre Abberufung war, dass sie unprofessionell mit Bildmaterial umgegangen ist“. Ein Mitarbeiter fragte kritisch, ob es sich um einen „Relotius-Moment“ handle, während US-Korrespondent Elmar Theveßen seine Kollegin verteidigte: „Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch“. Schausten entgegnete daraufhin: „Das ZDF habe den Leuten nicht die Wahrheit gesagt“.
Das Sittenbild: Der Vorfall offenbart ein strukturelles Versagen in den Kontrollinstanzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, da die Schlussredaktion trotz eines generellen Verbots von KI-Bildern in Nachrichten nicht intervenierte. Die mangelhafte interne Kommunikation und erste Ausreden über technische Fehler belasten das Vertrauen der Belegschaft und des Publikums nachhaltig.
Zwischen den Zeilen:
- Erste Stellungnahmen des Senders schoben das Fehlen der KI-Kennzeichnung fälschlicherweise auf rein technische Probleme bei der Überspielung des Beitrags.
- Auch die ARD stand kürzlich wegen eines „Schnittfehlers“ in der Kritik, bei dem Applaus-Szenen von Angela Merkel in einem falschen Kontext gezeigt wurden.
Follow the money: Die wirtschaftliche Dimension zeigt sich in der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Beiträge, während gleichzeitig die Glaubwürdigkeit durch Fehler in der Berichterstattung und mangelnde Gründlichkeit riskiert wird.
Die andere Sicht: Elmar Theveßen argumentiert, dass die Berichterstattung inhaltlich korrekt war und die Realität der ICE-Politik treffend abbildete, weshalb man sich in der Sache nichts vorzuwerfen habe. Er warnt davor, die Kritik von Rechtsaußen-Portalen ungefiltert zu übernehmen, da das inhaltliche Ergebnis der Recherche weiterhin Bestand habe.
Warum das wichtig ist: Dieser Vorfall zeigt, wie der Einsatz neuer Technologien ohne strikte Kontrolle die Grundpfeiler des Journalismus gefährden kann.
Quellen: derstandard.at
