In drei Sätzen: Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien und Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes, hat am 16. April 2026 einen steuerlichen Absetzbetrag von mindestens 1000 Euro pro Jahr für Vollzeitarbeit gefordert. Er begründet den Vorstoß mit der hohen Teilzeitquote in Österreich und der angeblichen Diskriminierung von Vollzeitkräften. In Wien arbeiten besonders viele Männer in Teilzeit, und Ruck sieht darin ein Rechenexempel der Bürger, das die Finanzierung staatlicher Leistungen gefährdet.
Der Auslöser: Ruck nutzte eine OTS-Aussendung, um Vollzeitarbeit attraktiver zu machen. Er beklagt, dass mehr Menschen arbeiten, die geleistete Arbeitsleistung aber sinkt. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt unter 30 Stunden.
Wer sagt was:
- „Arbeit muss sich nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen“, erklärte WKW-Chef Walter Ruck.
- Weiter sagte er: „In Österreich wird Vollzeitarbeit diskriminiert.“
- Und: „Dadurch bleibt jenen, die mehr Stunden arbeiten und daher im Vergleich zu Teilzeitkräften mehr ins System einzahlen, etwas mehr Netto vom Brutto.“
- Ruck forderte zudem Anpassungen bei einkommensabhängigen Beihilfen, damit diese stufenweise sinken statt abrupt zu entfallen.
Das Sittenbild: Während Ruck die Attraktivität der Vollzeit steigern will, steht er selbst seit Monaten massiv in der Kritik wegen Vorwürfen des Postenschachers und der Vetternwirtschaft. Seine Familie und enge Vertraute bekleiden einflussreiche Positionen in der Kammer. Gleichzeitig schweigt er lange zu den Enthüllungen und drängt Funktionäre mit vorgefertigten Rücktrittserklärungen. Das wirft Fragen nach Glaubwürdigkeit auf, wenn ausgerechnet er von fairer Belohnung von Mehrarbeit spricht.
Das große Ganze: Die Vorwürfe gegen Ruck reißen nicht ab, seit „Krone“ und „profil“ im Jänner 2026 über umstrittene Postenvergaben berichteten. Kritiker sehen darin eine Fortsetzung der Skandalserie in der „schwarzen Wirtschaftskammer“.
Zwischen den Zeilen:
- Österreich weist tatsächlich eine der höchsten Teilzeitquoten in der EU auf, liegt aber je nach Quartal auf Rang zwei oder drei.
- Besonders in Wien ist der Anteil teilzeitbeschäftigter Männer mit rund 20 Prozent auffällig hoch.
- Ruck konstatiert eine paradoxe Entwicklung: steigende Beschäftigungszahlen bei sinkender Gesamtarbeitsleistung.
- Der Vorschlag eines 1000-Euro-Absetzbetrags würde vor allem Besserverdienern in Vollzeit zugutekommen.
- Reformen bei Beihilfen sollen verhindern, dass Mehrarbeit sich nicht lohnt.
Follow the money: Ein steuerlicher Absetzbetrag von mindestens 1000 Euro pro Jahr für Vollzeitkräfte würde den Staatshaushalt je nach Teilnehmerzahl mit mehreren hundert Millionen Euro belasten. Konkrete Volumenangaben fehlen in der Aussendung.
Die andere Sicht: Kritiker aus FPÖ und anderen Lagern sehen in Ruck nur die Fortsetzung alter Kammerprobleme. Sie verweisen auf vorherige Skandale um hohe Gagen und fordern mehr Transparenz statt neuer Steuergeschenke. Direkte Gegenstimmen zur aktuellen Forderung liegen nicht vor.
Go deeper:
Warum das wichtig ist: In Zeiten knapper Kassen und realer Arbeitskräfteprobleme wirkt Rucks Vorstoß wie ein weiterer Versuch, die eigene Klientel mit Steuermitteln zu bedienen. Skandalgebeutelter Kammerchef fordert mehr Geld für Vollzeit, während sein eigener Laden von Vetternwirtschaftsvorwürfen erschüttert wird.
Quellen:

