In drei Sätzen: Die niederösterreichische Transportwirtschaft schlug am Tag der Transporteure in Wiener Neustadt laut Alarm wegen der massiven Kostenexplosion beim Dieselkraftstoff. Spartenobfrau Beate Färber-Venz und Obmann Markus Fischer fordern von der Politik die sofortige Einführung eines Gewerbediesels sowie die Aussetzung der CO₂-Bepreisung. Ohne diese staatlichen Eingriffe droht der Branche eine Insolvenzwelle, welche die Stabilität der gesamten österreichischen Versorgungskette und die allgemeine Preisstabilität gefährdet.
Der Auslöser: Innerhalb von weniger als vier Monaten kletterte der Dieselpreis um rund 40 Prozent auf etwa zwei Euro pro Liter. Diese Entwicklung sowie steigende Mauttarife belasten ein Standardfahrzeug mit jährlichen Mehrkosten von über 22.000 Euro.
Wer sagt was:
- „Die Transportwirtschaft steht unter enormem Druck. Treibstoff ist unser zentraler Kostenfaktor, und genau hier wirken die staatlichen Maßnahmen derzeit nicht ausreichend“, betont Markus Fischer.
- Beate Färber-Venz ergänzt, dass ein Gewerbediesel keine Subvention sei, sondern eine sachlich begründete Rückführung von Mehreinnahmen, um „die Existenz der Unternehmen zu sichern und ihre Insolvenzen zu verhindern“.
- Der Experte Sebastian Kummer rät den Betrieben zudem dringend zu Preismodellen, da der Iran-Krieg ein unvorhersehbares Ereignis war, und empfiehlt: „Verhandeln Sie unbedingt nach und vereinbaren Sie Dieselfloater für die Zukunft!“
Das Sittenbild: Während die Transportunternehmen unter der Last der volatilen Energiepreise und regulatorischen Kosten ächzen, profitiert der Staatshaushalt erheblich. Die seit 2022 bestehende CO₂-Bepreisung fungiert als zusätzliche Steuer, die dem Budget allein durch Diesel- und Benzinverbrauch Milliarden einbringt, ohne dass die Branche eine ausreichende Entlastung erfährt.
Zwischen den Zeilen: Ein durchschnittlicher Lkw der Klasse Euro VI verursacht allein durch den Dieselpreisplus jährliche Mehrkosten von 18.510 Euro.
- Die Erhöhung der Mauttarife seit Anfang 2026 schlägt mit zusätzlich 4.092 Euro pro Fahrzeug zu Buche.
- Die Branche sieht im Gewerbediesel ein Werkzeug, um ein erneutes Aufflammen der Inflation durch steigende Logistikkosten zu verhindern.
- Experten sehen in sogenannten Dieselfloatern eine Chance, Marktschwankungen fairer in Frachtverträge zu integrieren.
Follow the money: Die finanzielle Dimension ist gewaltig, da der Staat in den Jahren 2024 und 2025 über 1,6 Milliarden Euro netto nur aus der CO₂-Bepreisung von Diesel generierte. Zählt man Benzin hinzu, steigt dieser Betrag auf über 2,1 Milliarden Euro, wobei die zusätzliche Umsatzsteuer die Einnahmen für das Budget noch weiter nach oben treibt.
Die andere Sicht: Die politische Ebene sieht die CO₂-Bepreisung primär als Steuerungsinstrument, das seit 2022 Mehreinnahmen für den Staat generiert, während die Transportwirtschaft diese Mittel als „erwirtschaftet“ betrachtet und deren Rückführung verlangt. Bisherige Preisbremsen werden zwar als Schritt in die richtige Richtung anerkannt, von den Betroffenen jedoch als völlig unzureichend für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit eingestuft.
Warum das wichtig ist: Wenn die Politik nicht schnellstens handelt, so die Vertreter der WKO, zahlen am Ende alle Konsumenten die Zeche für den teuren Transport an der Supermarktkasse. Es ist schon ein besonderes Kunststück der Regierung, eine Branche erst durch Steuern auszupressen und dann seelenruhig zuzusehen, wie die Versorgungssicherheit „ausgestockert“ wird.
Quellen: ots.at

