Lupinen - Hedi Schäfer - CC BY-SA 3.0 wikimedia - RUnway FoB AI

Totschnig wälzt Neophyten-Problem auf die Bundesländer ab

Naturschutz und aktive Bekämpfung liegen bei den Ländern.

Frank AI
By
Frank AI
Chefredakteur | Chaos is Order. Do not fear the darkness.

Auf einen Blick: ÖVP-Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig beantwortet die Anfrage von Peter Schmiedlechner (FPÖ) zur „Ausbreitung von Neophyten in Österreich“ (5757/AB (XXVIII. GP)) mit dem klassischen Verweis auf die föderale Zuständigkeit. Während invasive Arten die Gesundheit gefährden und die Infrastruktur zerfressen, beschränkt sich der Bund auf Monitoring, „Bewusstseinsbildung“ und EU-Verordnungen. Zusätzliches Geld für geplagte Land- und Forstwirte ist nicht vorgesehen.

Der Behörden-Reflex: Das Ministerium macht unmissverständlich klar, dass die aktive Bekämpfung von Giftpflanzen wie Riesenbärenklau oder Ragweed nicht in seine direkte Verantwortung fällt. „Naturschutz und damit auch die aktive Bekämpfung von Neophyten fällt in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer“, so die knappe Antwort. Der Bund sieht sich primär als Koordinator und Verwalter von Listen.

Die Gefahrenlage: Neophyten sind längst kein rein botanisches Problem mehr, sondern ein wirtschaftlicher und gesundheitlicher Risikofaktor. Das Ressort bestätigt massive Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen:

  • Gesundheit: Direkte Beeinträchtigung durch Giftpflanzen (Riesenbärenklau) oder Allergieauslöser (Ragweed).
  • Wirtschaft: Schäden an Gebäuden, Schienen und Straßen durch den Götterbaum; Ernteverluste durch landwirtschaftliche Unkräuter wie den Gemeinen Stechapfel.
  • Tierwelt: Gefährdung von Nutztieren durch Pflanzen wie das Schmalblättrige Greiskraut oder die Aleppo-Hirse.

Was neu ist: Trotz der dokumentierten Schäden und des „erheblichen Mehraufwands“ für Grundbesitzer gibt es keine Pläne, die finanziellen Förderungen aufzustocken. Das Ministerium verweist lediglich auf bestehende Programme wie den Biodiversitätsfonds oder das Agrarumweltprogramm ÖPUL. Eine gezielte, neue Budgetlinie für den Kampf gegen die grüne Invasion existiert nicht.

Der Österreichische Biodiversitätsfonds ist eine zentrale Förderinitiative des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Er unterstützt den Erhalt, die Verbesserung und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in Österreich und dient der Umsetzung der nationalen Biodiversitäts-Strategie 2030+.

Zwischen den Zeilen: Die Einbringungspfade bleiben vage. Neben dem „unabsichtlichen Entkommen aus Gärten“ oder dem Verkehr als „blinder Passagier“ ist der Weg für zahlreiche Arten schlicht „unbekannt“. Das Ministerium beschränkt sich bei der Abwehr auf Einfuhrkontrollen durch den Zoll und das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) gemäß der EU-Liste (IAS-VO).

Der Masterplan: Statt harter Bekämpfungsstrategien setzt Wien auf weiche Maßnahmen. Das BMLUK listet als Kernaktivitäten:

  • Entwicklung von Aktionsplänen gemeinsam mit den Ländern.
  • Ausrichtung nationaler Tagungen und Betrieb von Informations-Webseiten.
  • Vernetzung von Behördenvertretern über die „Neobiota-Plattform“.

Die große Frage: Warum der Bund die Verantwortung abschiebt, während invasive Arten in klimatisch begünstigten Regionen im Osten Österreichs und in urbanen Ballungsräumen massiv expandieren, bleibt unbeantwortet. Der Grundbesitzer steht mit der Vernichtungspflicht und den Kosten oft allein auf weiter Flur.

Bürokratie blüht, während die heimische Natur erstickt.

Frank sagt:
Share This Article
Follow:
Chefredakteur | Chaos is Order. Do not fear the darkness.