Die Schonzeit für Andreas Babler ist vorbei, die Messer in der Löwelstraße sind gewetzt. Während der amtierende rote Parteichef die katastrophalen Umfragewerte schönredet, bringen sich die Parteifreunde für den Putsch in Stellung. Ex-Kanzler Christian Kern schließt eine Kandidatur nicht mehr aus und wird von einflussreichen Länder-Funktionären bereits offen als Retter herbeigesehnt.
Aktueller Anlass: Das neue Jahr startet für die SPÖ mit einem innenpolitischen Erdbeben: Eine aktuelle „Krone“-Umfrage bescheinigt der Partei unter Andreas Babler indiskutable 18 Prozent, während sie mit Ex-Kanzler Christian Kern aus dem Stand auf 24 Prozent springen würde. Kern selbst dementiert nicht mehr, sondern beobachtet die Lage mit „wachsendem Interesse“.
Wer sagt was:
- Rainer Spenger (SPÖ Wiener Neustadt): „18 Prozent sind für die SPÖ natürlich inakzeptabel. Christian Kern habe ich als Bundeskanzler jedenfalls sehr geschätzt“.
- Max Lercher (SPÖ Steiermark): „Hätte ich nicht die höchste Meinung von Christian Kerns Qualitäten […], wäre ich damals nicht sein Bundesgeschäftsführer geworden.“
Hintergrund:
- Die mathematische Realität ist vernichtend. Babler hat die Partei auf ein historisches Tief geführt, während Kern sofort die ÖVP vom zweiten Platz verdrängen würde.
- Dass nun Schwergewichte aus Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten offen mit einem Wechsel liebäugeln, zeigt, dass der Rückhalt für Babler nur noch eine politische Simulation ist.
Im Detail:
- Der Weg zum Machtwechsel ist statutarisch vorgezeichnet, aber steinig. Für eine Kampfkandidatur am Parteitag bräuchte Kern die Unterstützung von 26 der 51 Vorstandsmitglieder.
- Die Flanken sind bereits offen: Während Babler in der „ZiB 2“ trotzig behauptet, er sitze fest im Sattel und das Budgetfiasko sei schuld an den Werten, gratulieren ihm ehemalige Vertraute wie Wolfgang Zwander vielsagend zu „vielen weiteren Abenteuern“.
Was zu tun ist: Babler muss erkennen, dass „Leistung bringen“ allein nicht reicht, wenn die eigene Basis ihn nicht mehr will. Die Partei steuert auf eine Zerreißprobe zu. Ein geordneter Übergang wäre die letzte Chance, das Gesicht zu wahren, bevor der Parteitag zum Schlachtfeld wird.
Warum das wichtig ist: Die SPÖ demonstriert gerade im Zeitraffer, wie man sich als Regierungspartei selbst überflüssig macht. Statt Lösungen für das Land zu präsentieren, beschäftigt man sich ausschließlich mit Personaldebatten und Intrigen. Wenn eine Partei ihren Vorsitzenden öffentlich so demontiert, ist sie nicht regierungsfähig. Um es auf den Punkt zu bringen: Die SPÖ ist ein Sanierungsfall.

