Auf einen Blick: Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) gesteht in der Beantwortung der parlamentarischen Anfrage von Rosa Ecker (FPÖ) eklatante Datenlücken im Bereich der illegalen Prostituion ein. Während die Zahl legaler Bordelle massiv sinkt, verweigert das Ministerium jede statistische Erfassung von Razzien in Privatwohnungen und Hotels.
Blindflug im Rotlichtmilieu: Das Bundesministerium für Inneres (BMI) dokumentiert einen systemischen Kontrollverlust. Auf die präzise Frage nach der Anzahl der Kontrollen im Rotlichtmilieu – differenziert nach Bordellen, Privatwohnungen und Ferienunterkünften – folgt die Kapitulationserklärung der Behörde: “Entsprechende Statistiken werden nicht geführt.”
Worum es geht: Damit bleibt völlig im Dunkeln, wie effektiv die Exekutive gegen die wachsende illegale Wohnungsprostitution vorgeht. Das Ministerium räumt zwar eine Verlagerung in den Online-Bereich und anonyme Privatunterkünfte ein, liefert aber keine harten Fakten zu behördlichen Schließungen oder Versiegelungen von Objekten.
Legaler Markt schrumpft, Sexarbeit steigt
Das große Ganze: Die vorliegenden Daten zeigen eine gefährliche Schere zwischen legaler Infrastruktur und registrierten Personen:
- Bordellsterben: Die Zahl der genehmigten Betriebe (Laufhäuser, Clubs und Bordelle) sank bundesweit von 641 (2021) auf nur noch 517 im Jahr 2025.
- Anstieg der Registrierungen: Trotz sinkender Betriebszahlen stieg die Zahl der registrierten Sexdienstleister von 5.018 (2021) auf 5.386 (2025).
- Hotspot Wien: Mit 2.846 registrierten Personen im Jahr 2025 bleibt die Bundeshauptstadt das Zentrum, während Vorarlberg konsequent null Bordellgenehmigungen erteilt.
Dunkelfeld der illegalen Wohnungsprostitution
Besonders brisant: Das Ministerium kann oder will keine Aufschlüsselung nach Geschlecht bei den registrierten Personen liefern. Auch bei Anzeigen wegen illegaler Prostitution fehlt eine Differenzierung, ob sich diese gegen die Sexarbeiter selbst oder gegen Hintermänner und Vermieter richteten. Das Dunkelfeld der illegalen Wohnungsprostitution wird nicht einmal ansatzweise geschätzt.
Key Facts zum Menschenhandel:
- Trend: Massive Verlagerung in den digitalen Raum erschwert die Opferidentifikation.
- Methoden: Zunahme von internationalen Täterstrukturen und sogenannten “Loverboy-Methoden”.
- Personal: Polizisten erhalten zwar Schulungen, doch konkrete Teilnehmerzahlen für den gesamten Zeitraum 2021-2025 bleiben vage oder unvollständig.
Warum das wichtig ist: Wenn ein Innenministerium nicht weiß, wo und wie oft kontrolliert wird, ist jeder Kampf gegen Menschenhandel reine Symbolpolitik. Die Verlagerung in den unkontrollierten privaten Raum bei gleichzeitigem Wegbrechen legaler Betriebe erhöht das Risiko für Gewalt und Ausbeutung massiv. Der Staat verliert hier nicht nur die steuerliche Kontrolle, sondern den sicherheitspolitischen Zugriff.
Blindflug im Rotlicht: Der Staat schaut weg.
Frank sagt:

