Mojtaba Khamenei - Tasnim News Agency CC BY 4.0 - Runway FoB AI

Teheran schickt Gangster: Der hybride Terrorkrieg in Europa

Wie das iranische Regime europäische Kriminelle, Biker und Teenager anheuert, um Dissidenten, Journalisten und westliche Ziele auszuschalten.

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Chefredakteur | Chaos is Order. Do not fear the darkness.

Auf einen Blick: AIn einer umfassenden Enthüllung des US-Magazins The New Yorker deckt Reporterin Cora Engelbrecht in einem Deep Dive auf, wie das Mullah-Regime in Teheran einen unerbittlichen Terrorkrieg auf europäischem Boden führt und sich dabei der Unterwelt bedient. Um die eigene Täterschaft zu verschleiern, heuert Teheran europäische Banden, russische Mafiosi, Hells Angels und sogar Minderjährige an, um Regimekritiker, Journalisten sowie israelische und US-amerikanische Ziele zu attackieren. Ein blutiger Anschlag auf den Exil-Journalisten Pouria Zeraati in London zeigt exemplarisch, wie das Netz aus Auftragsmördern und Kleinkriminellen funktioniert.

Auf einen Blick: Das Mullah-Regime in Teheran führt einen unerbittlichen Terrorkrieg auf europäischem Boden und bedient sich dabei der Unterwelt. Um die eigene Täterschaft zu verschleiern, heuert Teheran europäische Banden, russische Mafiosi, Hells Angels und sogar Minderjährige an, um Regimekritiker, Journalisten sowie israelische und US-amerikanische Ziele zu attackieren. Ein blutiger Anschlag auf den Exil-Journalisten Pouria Zeraati in London zeigt exemplarisch, wie das Netz aus Auftragsmördern und Kleinkriminellen funktioniert.

Der Fall Zeraati

Der 38-jährige Pouria Zeraati, Moderator beim oppositionellen Sender Iran International in London, wurde jahrelang belästigt, beschattet und bedroht. Im März 2024 stachen ihn zwei rumänische Kriminelle vor seinem Haus nieder. Zeraati überlebte nur knapp, weil Nachbarn und ein Bauarbeiter mit einem Werkzeuggürtel die Blutung stillten.

Details aus dem Prozess am Old Bailey offenbaren die Akribie der Operation: Über ein Jahr lang spionierten die Täter Zeraatis Wohnort aus, finanziert durch Scheinfirmen und mehr als 100.000 Dollar an Überweisungen.

  • Den Handlangern erzählte man, Zeraati solle geohrfeigt werden, weil er „mit der Frau eines anderen geschlafen habe“.
  • Zeraati kommentierte das regimeeigene Vorgehen gewohnt scharf und forderte auf X „die Vernichtung eines mörderischen Regimes, das Gläubige und Kinder tötet“.

Das große Ganze: Das Prinzip ist zynisch wie effizient: „Angeheuerte Kriminelle sind billig und sie wissen, wie man untertaucht“, erklärt Colin Clarke vom Soufan Center.

  • Teheran nutzt kriminelle Netzwerke als billige Werkzeuge. Ob der Anschlag gelingt oder die Handlanger gefasst werden, ist dem Regime völlig egal.
  • Das primäre Ziel ist die Verbreitung von Angst und Terror unter Exilanten.
  • Nach Angaben des Experten Matthew Levitt gab es in den letzten fünf Jahren über 200 iranische Anschläge im Ausland. Fast doppelt so viele wie in den vier Jahrzehnten von 1979 bis 2021 zusammen.

Der Masterplan: Die Eskalation folgt einem Muster: Je mehr Rückschläge das Regime im Inland durch Proteste und im Nahen Osten durch militärische Niederlagen erleidet, desto attraktiver werden diese extrem kostengünstigen Operationen im Ausland.

  • Die Angriffe dienen als Racheakte und Abschreckung zugleich.
  • Mit der Ermordung von Schlüsselfiguren wie Ayatollah Ali Khamenei und dem Verlust hochrangiger Führungskräfte greift Teheran verstärkt auf asymmetrische Methoden zurück.

Die Ausführung: Kriminelle Netzwerke bieten Teheran die perfekte Tarnung. Sie besorgen gefälschte Dokumente, mieten Verstecke, beschaffen Fahrzeuge und verschwinden nach der Tat spurlos.

  • In den USA nutzte das Regime Netzwerke wie das des Schmugglers Naji Sharifi Zindashti für Auftragsmorde oder heuerte russische Gangster gegen die Aktivistin Masih Alinejad an.
  • In Deutschland wurde ein Ex-Hells-Angel beauftragt, eine Synagoge in Bochum niederzubrennen.

Zwischen den Zeilen: Das Regime greift auf immer absurdere Methoden zurück, um Distanz zum Regime zu wahren. In Skandinavien rekrutieren iranische Mittelsmänner über Netzwerke wie die „Foxtrot Gruppe“ und Kanäle wie Telegram oder Snapchat Jugendliche für Anschläge auf israelische Botschaften.

  • Der schwedische Geheimdienst spricht von einem „Mittelsmann eines Mittelsmanns“.
  • In Frankreich heuerte ein Anführer einer proiranischen Miliz einen 16-Jährigen über Snapchat an, um eine Bombe vor einer „Bank of America“-Filiale zu platzieren. Dem Jugendlichen erzählte man, es handele sich bloß um Knallkörper gegen eine untreue Freundin.

Die Geldspur: Iran International, das wichtigste Medium der oppositionellen Exilanten, steht selbst im Zentrum eines Informationskriegs. Das Regime bezeichnet den Sender als „Terrororganisation“.

  • Der Mutterkonzern Volant Media wird von saudi-arabischen Investoren gestützt. Erst kürzlich wandelte das Unternehmen rund 870 Millionen Dollar Schulden in Eigenkapital um, verweigert jedoch die Offenlegung der privaten Geldgeber.
  • Teheran nutzt diese Unklarheiten, um den Sender als verlängerten Arm westlicher Mächte zu diffamieren.

Wer sagt was:

  • Während westliche Geheimdienste und Gerichte die Fäden eindeutig nach Teheran zur Revolutionsgarde (IRGC) und deren Eliteeinheit 840 sowie dem Geheimdienstministerium zurückverfolgen, streitet das Regime alles ab.
  • Anwälte des Senders betonen die unhaltbare Lage für Mitarbeiter: „Im Grunde wurde jeder, der bei Iran International arbeitet, als Mossad-Agent eingestuft – was sie zu Terroristen macht, die auf Sicht getötet werden können“, so Mark Stephens.
  • Journalist Behrang Tajdin von BBC Persian ergänzt: „Sie haben es auf unsere Verwandten und unsere betagten Eltern abgesehen und setzen sie unter Druck, damit wir unsere Arbeit einstellen.“
  • Adrian Shtuni vom International Centre for Counter-Terrorism bringt die Botschaft Teherans auf den Punkt: „Der Iran stellt klar: ‚Wir sind immer noch da. Und wir können euch treffen, wo wir wollen und wann wir wollen. Und wir können dafür eure eigenen Hände benutzen.‘“

Warum es wichtig ist: Die Attacken sind eine direkte Provokation für die europäische Sicherheitsarchitektur. Weil die Angriffe knapp unter der Schwelle massiver militärischer Eskalationen bleiben, tun sich westliche Regierungen schwer mit einer harten Antwort.

Wer geglaubt hat, man könne mit religiösen Fanatikern auf diplomatischem Parkett verhandeln, hat das Mullah-Regime noch immer nicht kapiert.

Frank sagt:
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SOURCES:newyorker
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