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CCS als wirtschaftliche Wunderwaffe: Hattmannsdorfer will Speicherverbot kippen

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Auf einen Blick: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) drückt beim Ausstieg aus dem CO₂-Speicherverbot aufs Tempo. Sein Plan: Die Freigabe von Carbon Capture and Storage (CCS) soll im Paket mit dem Klimagesetz und der UVP-Novelle verhandelt werden.

  • Die Zementlobby jubelt, stellt aber klar: Ein breiter industrieller Einsatz in Österreich realistisch erst ab 2040.

Der strategische Rahmen: Die Carbon Management Strategie 2024 liefert den Fahrplan für Österreichs Industrie. Ihre Grundregel lautet „Vermeiden vor Vergraben“:

  • Ebene 1 (Vorrang): Betriebe müssen zuerst Energie sparen und Emissionen reduzieren, wo immer es technisch geht.
  • Ebene 2 (Für den Rest): Erst bei unvermeidbarem CO₂ – etwa in der Zement- oder Stahlherstellung – greifen Technologien zum Einfangen, Vergraben oder Weiterverarbeiten von Kohlenstoff (CCS, CCU und CDR).

Was die Begriffe auf Deutsch bedeuten:

  • Mitigation first: Erst so viel CO₂ wie möglich im Betrieb einsparen. Speicher sind kein Freifahrtschein.
  • CCS / CCU: CO₂ am Fabrikschlot abfangen und unterirdisch speichern (Storage) oder als Rohstoff nutzen (Utilization).
  • CDR (Carbon Dioxide Removal): CO₂ aktiv aus der Atmosphäre filtern, um unvermeidbare Abgase auszugleichen.

Auf einen Blick: Hattmannsdorfer sieht in der unterirdischen Speicherung von CO₂ den einzig realistischen Weg, um Branchen wie Zement, Kalk und Stahl in Österreich zu halten.

  • Das Problem: Ein striktes Klimagesetz ohne technologische Alternativen würde die Industrie durch hohe Zertifikatekosten vertreiben.
  • Der Hebel: Das CO₂-Speicherverbot (seit 2011 in Kraft) soll fallen. CCS-Gesetz, Klimagesetz und UVP-Beschleunigung sollen nur gemeinsam in Begutachtung gehen.

Das große Ganze: Österreichs Industrie steuert ab 2040 auf unvermeidbare Restemissionen von 4,4 bis 12,1 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr zu. Bei einem angenommenen Zertifikatepreis von 82 Euro drohen den Betrieben jährliche Mehrkosten von bis zu 900 Millionen Euro.

Was Minister Wolfgang Hattmannsdorfer sagt: „Ein Klimagesetz allein baut noch keine Anlage. Wenn wir Klimaschutz und Standortpolitik ernst nehmen, müssen das CO₂-Speichergesetz und die UVP-Novelle gemeinsam folgen.“

Zwischen den Zeilen: In der Politik zeichnet sich ein ungewöhnlicher Konsens ab: Auch SPÖ-Chef Andreas Babler hat sich im ORF-Sommergespräch für die Öffnung von CCS ausgesprochen. Die rechtliche Basis wurde im jüngsten Dürrepaket der Koalition bereits verankert.

Der Realitätscheck: Obwohl die Heimische Zementindustrie den Vorstoß als „überfällig“ feiert, bremst sie bei den Erwartungen.

  • Infrastruktur fehlt: Der Aufbau von Pipelines und Lagerstätten dauert Jahre.
  • Kapazitäten sind endlich: Das theoretische Speicherpotenzial in alten Öl- und Gasfeldern liegt bei 150 bis 300 Millionen Tonnen. Die jährliche Einspeisung wird sich vorerst nur im niedrigen Millionenbereich bewegen.

Warum das wichtig ist: Hattmannsdorfer knüpft das Klimagesetz an handfeste Zugeständnisse für die Industrie. Die Koalition zieht mit, doch bis die „Wunderwaffe CCS“ im Werksalltag ankommt, vergeht noch mindestens ein Jahrzehnt.

SOURCES:bmwetbmluk
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