Schluss mit der europäischen Nato-Haltung: Die USA fordern unter dem Titel „NATO 3.0“ eine radikale Lastenumverteilung. Wer nicht spurt oder US-Waffen verschmäht, riskiert den Abzug amerikanischer Truppen.
Worum es geht: Die Ära, in der sich europäische Hauptstädte auf dem konventionellen Schutzschild der USA ausruhen konnten, ist beendet. US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby hat in Brüssel klargemacht, dass Washington die Spielregeln neu definiert. Ein detaillierter Fragebogen an die Alliierten soll nun die Spreu vom Weizen trennen.
Der Kern von NATO 3.0
Das große Ganze: Das neue Bündnismodell ist keine Bitte, sondern eine strategische Notwendigkeit für Washington. Die Prioritäten haben sich verschoben.
- Konventionelle Last: Europa muss die Hauptverantwortung für die eigene Verteidigung übernehmen und den Großteil der Streitkräfte stellen.
- US-Fokus: Washington konzentriert seine Ressourcen auf die eigene Hemisphäre und die Abschreckung im Indopazifik.
- Nuklearer Schirm: Die USA bleiben nukleare Schutzmacht, reduzieren aber ihren konventionellen Beitrag massiv.
Der brisante Fragebogen
Hinter verschlossenen Türen geht es ans Eingemachte. Der US-Fragebogen zielt auf die wunden Punkte der europäischen Verteidigungspolitik ab:
- Rüstungskäufe: Washington kritisiert europäische Bestrebungen nach „Made in Europe“-Lösungen. Wer den Schutz der USA will, soll gefälligst bei US-Unternehmen einkaufen.
- Einschränkungen beenden: Die USA fordern ein Ende nationaler Restriktionen für ihre Truppen. Dass Länder wie Spanien US-Aktivitäten von ihren Stützpunkten aus untersagten, wird in Washington nicht länger toleriert.
- Kommandostruktur: Die Verbündeten müssen mehr Verantwortung in der Führung übernehmen.
Warum das wichtig ist: In den europäischen Korridoren herrscht nackte Angst. Es steht im Raum, dass die Regierung unter Donald Trump Truppen primär aus jenen Ländern abzieht, die sich politisch querlegen oder ihre Hausaufgaben nicht machen. Colby lobte zwar Deutschland, Polen und die Niederlande für ihre Investitionen, doch der Druck bleibt maximal. NATO-Generalsekretär Mark Rutte versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er verwies auf 139 Milliarden Dollar zusätzliche Verteidigungsausgaben der Europäer und Kanadier für 2025.

