Warum es wichtig ist: Geleakte Gesprächsprotokolle von Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck zeigen ein verstörendes Bild von Postenschacher, Sexismus und Hinterzimmer-Deals inmitten der Wiener Stadtpolitik. Die Enthüllungen belasten nicht nur den Kammerchef, sondern bringen auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in Erklärungsnot.
Das Sittenbild: Die Berichte von Profil und Kronen Zeitung basieren auf Aufzeichnungen eines vertraulichen Treffens um den Jahreswechsel 2025/2026. Ruck vergleicht Politik darin mit einem Kasinospiel und prahlt offen mit seinen Finten. Deals wurden im Weinkeller besiegelt, Gegner gezielt abmontiert.
Besonders brisant: Ruck soll systematisch Familienmitgliedern Posten zugeschanzt und die Kandidatur seines Sohnes für die Wien-Wahl forciert haben. Auch frauenfeindliche Aussagen und ein demonstratives Desinteresse an Kammerreformen oder niedrigeren Beiträgen für Pflichtmitglieder belasten ihn schwer.
Machtspiel im Schweizerhaus: Die Protokolle beleuchten die umstrittene Besetzung von Manfred Juraczka bei der Wirtschaftsagentur Wien neu. Laut Rucks Schilderungen wurde der Deal informell beim Stelzen-Essen mit Bürgermeister Michael Ludwig im Schweizerhaus paktiert. Ludwig äußerte demnach Bedenken („Meinst du das jetzt ernst?“), woraufhin Ruck entgegnete: „Es gibt ein Spiel für die Tribüne, und es gibt ein Echtspiel.“ Ludwig habe schließlich eingewilligt.
Wer sagt was:
- Die Wirtschaftskammer Wien verweist auf ein informelles Vorschlagsrecht für den Posten und betont, es handle sich um ein Transkript einer „potenziell illegal angefertigten Tonaufnahme“. Zum Vorwurf der Frauenfeindlichkeit hieß es, für Ruck stehe immer der Mensch im Vordergrund.
- Der Sprecher des Bürgermeisters rechtfertigt den Vorgang als „gelebte Praxis“ und verweist auf einstimmige Beschlüsse im Präsidium und Vorstand der Wirtschaftsagentur.
- Die Wiener ÖVP distanziert sich von dem gezeichneten Sittenbild, sieht sich selbst aber nicht involviert. Personelle Konsequenzen müsse die Kammer selbst ziehen.
- Sigi Maurer & Peter Kraus: Fordern den sofortigen Rücktritt Rucks. Sie kritisieren den „schamlosen Postenschacher“ und die Herabwürdigung von Frauen scharf. Öffentliche Funktionen dürften nicht in Hinterzimmern vergeben werden.
- Dominik Nepp, Udo Guggenbichler & Herbert Kickl: Spricht von einer „rot-schwarzen Packelei“ und fordert Rucks sofortigen Abgang. Ludwig müsse alle Hinterzimmerabkommen und Absprachen umgehend offenlegen.
Fazit: Aussitzen wird sich dieses Mal nicht mehr spielen. Selbst unter Freimaurern ist die Sympathie für Ruck nun endgültig im (Wein)Keller angekommen.
Walter, es ist vorbei!
Frank sagt:


