In drei Sätzen: Einen Tag nach dem Weltfrauentag tritt ORF-Generaldirektor Roland Weißmann nach 31 Dienstjahren mit sofortiger Wirkung zurück. Hintergrund dieser überraschenden Entscheidung sind schwere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin, für den die Unschuldsvermutung gilt, die angeblich aus dem Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 stammen. Trotz vehementem Bestreiten der Vorwürfe durch seinen Anwalt räumt Weißmann den Sessel, um laut eigenen Angaben weiteren Schaden vom öffentlich-rechtlichen Unternehmen abzuwenden.
Der Auslöser: Der unmittelbare Rückzug erfolgte am Samstag um 11:45 Uhr, nachdem das ORF-Aufsichtsgremium dem Senderchef offenbar ein finales Ultimatum gestellt hatte. Während interne Kreise von einem Geständnis in einer Fragerunde sprechen, dementiert die rechtliche Vertretung jede Form des Fehlverhaltens.
Wer sagt was: Anwalt Oliver Scherbaum betont: „Obwohl mein Mandant den Vorwurf bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte, hat er am Samstag um 11.45 seinen sofortigen Rücktritt erklärt“. Er kritisiert die mediale Verbreitung der Vorwürfe scharf und spricht von einer „Intrige, bezeichnenderweise wenige Monate vor der Wahl“. In der Vergangenheit gab Weißmann selbst zu Protokoll: „Wir haben definitiv eine Null-Toleranz-Politik gegenüber sexueller Belästigung“.
Das Sittenbild: Der Skandal trifft den ORF in einer sensiblen Phase, da die Nominierungen für die kommende Generaldirektorenwahl bereits im Mai feststehen müssen. Die Situation offenbart tiefe Gräben zwischen der Geschäftsführung und dem Stiftungsrat.
Zwischen den Zeilen: Die betroffene Mitarbeiterin ist dem Stiftungsrat namentlich bekannt, soll jedoch keine Moderatorin sein.
- Zwischen dem ORF und der Mitarbeiterin wurde laut Anwaltsangaben bereits eine außergerichtliche Einigung erzielt.
- Ingrid Thurnher übernimmt die interimistische Leitung des Senders.
- Die Vorwürfe beziehen sich auf Ereignisse, die bereits vier Jahre zurückliegen sollen.
Follow the money: Da der ORF durch die Haushaltsabgabe finanziert wird, steht die wirtschaftliche Stabilität des größten Medienhauses des Landes bei solchen Führungskrisen stets zur Debatte.
Die andere Sicht: Die Verteidigung sieht in dem Timing der Veröffentlichung eine gezielte Kampagne, um eine Wiederwahl Weißmanns im August zu verhindern.
Warum das wichtig ist: Wenn die „Null-Toleranz-Politik“ eines Medienriesen zum Bumerang für den eigenen Chef wird, zeigt das entweder eine funktionierende Compliance oder ein perfekt getimtes politisches Attentat.
Quelle: krone.at/4071052
