In drei Sätzen: Ursula von der Leyen ruft die Europäer zum Verzicht auf unnötige Flüge und Reisen auf, weil die Blockade der Straße von Hormus die Kerosin-Versorgung bedroht. Der europäische Flughafenverband ACI Europe warnte in einem Brief an die EU-Kommission vom 9. April 2026, dass ohne Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in nennenswertem Umfang innerhalb von drei Wochen eine systemische Treibstoffknappheit droht. Die Kommission selbst erklärte am 14. April 2026, es gebe derzeit keine Hinweise auf Knappheit, aber Probleme könnten in naher Zukunft auftreten.
Der Auslöser: Der anhaltende Iran-Konflikt blockiert die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öl-Routen der Welt. Dadurch gerät die Versorgung mit Flugtreibstoff unter Druck. Der ACI Europe forderte in seinem Brief Monitoring, gemeinsame Käufe und die Prüfung regulatorischer Erleichterungen. Die EU-Kommission plant nun koordinierte Maßnahmen wie Ölstock-Freigaben, doch der Appell zum persönlichen Verzicht steht im Vordergrund.
Wer sagt was:
- „Die billigste Energie ist die, die man nicht verbraucht“, betonte Ursula von der Leyen im Kontext der Krise und unterstrich damit ihren Appell zum Sparen.
- ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec schrieb: „Wenn der Transit durch die Straße von Hormus nicht innerhalb der nächsten drei Wochen in nennenswertem und stabilem Umfang wieder aufgenommen werde, gehe man derzeit davon aus, dass eine Knappheit von Flugtreibstoff in der EU Realität werden dürfte.“
- Die EU-Kommission erklärte: „Derzeit gibt es keine Hinweise auf Treibstoffknappheit in der Europäischen Union, aber es könnte in naher Zukunft zu Engpässen kommen.“
Das Sittenbild: Hier zeigt sich ein klarer Widerspruch. Während die Flughäfen vor einer systemischen Knappheit warnen, die den Sommerflugverkehr und die gesamte Wirtschaft trifft, bagatellisiert die Kommission die Lage und setzt primär auf den Verzicht der Bürger. Statt sofortiger Notfallmaßnahmen wie gemeinsamen Käufen oder Raffinerie-Vorgaben dominiert der moralische Appell.
Das große Ganze: Die Golf-Region liefert etwa 50 Prozent des europäischen Flugtreibstoffs. Die Blockade führt bereits zu Preissteigerungen und ersten Rationierungen in Italien. Die Krise offenbart die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Importen, obwohl der Green Deal und ReFuelEU-Aviation auf nachhaltige Kraftstoffe drängen.
Zwischen den Zeilen:
- Der Brief des ACI Europe an die Kommissare für Verkehr und Energie datiert vom 9. April 2026 und fordert eine EU-weite Übersicht über Kerosin-Bestände.
- Ohne stabile Hormus-Passage könnten bereits Ende April erste Engpässe spürbar werden, besonders vor der Sommer-Hochsaison.
- Airlines wie Lufthansa und Ryanair bereiten sich auf Flugstreichungen und höhere Ticketpreise vor.
- Die EU plant für den 22. April weitere Maßnahmen wie koordinierte Gas-Speicherung und Ölstock-Freigaben.
Follow the money: Die fossilen Brennstoff-Importrechnungen der EU stiegen in nur 44 Tagen um über 22 Milliarden Euro. Lufthansa rechnet allein mit Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro für Kerosin im laufenden Jahr. Eine systemische Knappheit würde den Tourismus und die Luftfracht massiv treffen und der europäischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen.
Die andere Sicht: Die EU-Kommission betont, dass Rohöl-Lieferungen an Raffinerien derzeit stabil bleiben und keine zusätzlichen Stock-Freigaben nötig seien. Sie sieht die Lage als „primary concern“, setzt aber weiter auf Diplomatie zur Wiederherstellung der Schifffahrtsfreiheit.
Warum das wichtig ist: Ausgerechnet die Architektin des Green Deal muss nun zum Sparen beim Fliegen aufrufen, weil die geopolitische Realität die fossile Abhängigkeit gnadenlos offenlegt. Wie praktisch, dass der Verzicht der Bürger mal wieder als erste und günstigste Lösung herhalten muss.
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