In drei Sätzen: Am Mittwoch hat das erweiterte Landesparteipräsidium der SPÖ Niederösterreich getagt. Landesparteichef Sven Hergovich bleibt nach dem Rückzug von Ulrike Königsberger-Ludwig an der Spitze der Partei. Die Staatssekretärin hatte am Wochenende noch eine Kampfkandidatur beim Landesparteitag Ende Mai angekündigt.
Der Auslöser: Der aktuelle Anlass war die Ankündigung von Ulrike Königsberger-Ludwig am Wochenende, gegen Sven Hergovich antreten zu wollen. Nach chaotischen Tagen kam es am Mittwoch zur entscheidenden Sitzung des erweiterten Landesparteipräsidiums. Dort zog Königsberger-Ludwig ihre Kandidatur zurück. Hergovich geht damit als Spitzenkandidat in den Landesparteitag am 30. Mai und bleibt auch für die Landtagswahl 2028 gesetzt.
Wer sagt was:
- „Wir wollen an einem Strang ziehen“, sagte Hergovich am Mittwoch. Ulrike Königsberger-Ludwig erklärte, es habe ein „reinigendes Gewitter gegeben, danach kommt aber wieder die Sonne“.
- Die 60-Jährige betonte zusätzlich, dass es „niemals ein Personalpaket“ gegeben habe. Nun wolle man wieder nach vorne schauen und die Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Bezirken verbessern.
Das Sittenbild: Trotz der öffentlichen Einheitsbekundungen ist der Schaden in der SPÖ Niederösterreich bereits angerichtet. Ein offener Putschversuch gegen den erst seit kurzem amtierenden Parteichef zeigt tiefe Risse und fehlende Loyalität innerhalb der Partei. Die Kampfabstimmung verunsichert vor allem in Königsberger-Ludwigs Heimatregion und widerspricht der behaupteten Geschlossenheit.
Das große Ganze: Die SPÖ Niederösterreich fährt seit Jahren Verluste ein. Beim letzten Landtagswahl 2023 erreichte die Partei unter Franz Schnabl mit knapp 21 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Danach übernahm Hergovich mit Unterstützung von AKNÖ-Präsident Markus Wieser und St. Pöltens Stadtchef Matthias Stadler. Statt einer möglichen Koalition mit der ÖVP unter Johanna Mikl-Leitner steuert die Partei nun auf Frontalopposition gegen Schwarz-Blau.
Zwischen den Zeilen:
- Hergovich wollte Königsberger-Ludwig bereits früher auswechseln und hatte ihr einen Antritt bei der Gemeinderatswahl in Amstetten vorgeschlagen.
- Die Staatssekretärin lehnte ab und wechselte enttäuscht als Staatssekretärin in den Bund.
- Parteikreise werfen Hergovich vor, sich hinter den Kulissen massiv für einen Antritt von Christian Kern gegen SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler eingesetzt zu haben.
- Ein rotes Urgestein aus Niederösterreich ist überzeugt: „Der Impuls für den Antritt von Königsberger-Ludwig kam deshalb sicher von Babler und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim“.
Die andere Sicht: Ulrike Königsberger-Ludwig selbst betonte, es habe niemals ein „Personalpaket“ gegeben. Beide Seiten sprechen nun von Geschlossenheit und wollen „an einem Strang ziehen“.
Warum das wichtig ist: Ein Putsch, der nicht einmal stattfindet, richtet bereits maximalen Schaden an. Die SPÖ Niederösterreich zeigt sich einmal mehr als zerstrittene Truppe, die lieber interne Machtspiele betreibt, statt sich auf Wähler zurückzuerobern. Wie erfrischend ehrlich wäre es doch, wenn sie einfach zugeben würden, dass sie vor allem sich selbst im Weg stehen.
Quellen: kurier.at

