In drei Sätzen: Der Bau des millionenteuren „Glas-Kinns“ des Bundesheeres verzögert sich, er wird aber auch nicht abgesagt: Die Heeres-Führung will mitten in der Rossauer Kaserne am Donaukanal einen gläsernen Büroklotz aufstellen. Seit 2016 liegt der Plan für das „schwebende Doppel-X“ in der Schublade. Bis heute gibt es weder Baustart noch verlässliche Kosten – es ginge um einen „mehrstelligen Millionenbetrag“.
Der Auslöser: Das Verteidigungsministerium möchte den mittleren Innenhof der Rossauer Kaserne mit einem vierstöckigen, verspiegelten Glaspalast auf Stelzen zubauen. Bis zu 400 Mitarbeiter sollen dort konzentriert werden. Das Projekt dümpelt weiter ohne konkreten Zeit- oder Kostenplan vor sich hin. Das Baumaterial sorgt auch für Kopfschütteln: Einerseits warnt das Bundesheer vor einer Drohnen-Bedrohung und möchte ein sechs Milliarden Euro teures Raketen- und Drohnen-Abwehrsystem beschaffen, gleichzeitig setzt es seine Mitarbeiter aber in einen leicht zerstörbaren Glas-Komplex.
Wer sagt was: „Kein normaler Mensch kommt auf die Idee, in einem Verteidigungsministerium Wohnungen oder einen völlig offenen Eventplatz zu wollen“, sagt Ministeriumssprecher Michael Bauer. Grüne und NEOS im Bezirk Alsergrund warnen vor einem „Büroklotz“ in einem Grätzl mit nur acht Prozent Grünfläche. Die Bezirksvertretung (ÖVP/SPÖ) hat die Umwidmung trotzdem durchgewunken.

Zwischen den Zeilen:
- Die konkreten Kosten „im mehrstelligen Millionenbereich“ werden den Steuerzahlern vorenthalten.
- Den Architekturwettbewerb 2016 gewann Zechner & Zechner.
- Die Kaserne ist ein historisches Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das als Defensivkaserne gegen das eigene Volk gebaut wurde.
Das Sittenbild: Das Verteidigungsministerium hält weiter an seinem gläsernen Protzbau in der Wiener Zentrale fest, obwohl der Finanzminister ein zweites Sparpaket ankündigt.
Das große Ganze: Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) will sechs Milliarden Steuergeld für ein umstrittenes Raketen- und Drohnen-Abwehrsystem, sie will Milliarden für neue Abfangjäger und gewaltige Summen an Steuergeld, um bestimmte Kasernen zu „Sicherheitsinseln“ für den Fall eines Angriffs auf Österreich auszubauen. Trotz der angeblich drohenden Gefahren – deren Abwehr Milliarden kosten darf – werden die eigenen Beamten des Verteidigungsministeriums in einen extrem verwundbaren Glaspalast gesetzt. Ist die Bedrohungslage also doch nicht so dramatisch?
Warum das wichtig ist: Das Verteidigungsministerium will also weiter viel Steuergeld in eine „Schöner Wohnen“-Aktion für ihre Beamten ausgeben, während die Soldaten in der Truppe dringend bessere Ausrüstung benötigen. Und obwohl die ÖVP-SPÖ-NEOS-Bundesregierung den Geringverdienern 600 Euro im Jahr wegnimmt, gehandicapten Arbeitnehmern Hilfen kürzt, dazu auch beim Familienbonus Geld wegstreicht und auch die Pensionisten ausplündert, darf das Bundesheer weiter auf den Baustart für eine millionenteure Büro-Glasburg hoffen.
Link:
Wettbewerbs-Dokumentation zum BĂĽro-Projekt Rossauerkaserne


